Vorwort.
VI!
Grade ihren bleibenden Werth, als sie mehr oder minder mitglücklichem Erfolge mit dem Schwerdte des göttlichen Worteskämpfen, indem keine Verkehrtheit von irgend einer Zeit gebo-ren wird, die nicht demselben unterliegen müßte. Deshalbgehören denn auch die Schriften Luthers keiner jemals abzu-schließenden Zeit an, sondern finden stets Eingang bei dembesseren Geiste der Menschen und Anwendung auf die Erschei-nungen des Tages, sei es nun vertheidigend oder bestreitend,berichtigend oder ergänzend. Je mehr der edlere Sinn desMenschen für das Göttliche empfänglich ist, je unbefriedigterer sich fühlt bei dem vagen Umherirren sonder Maaß und Zielin den Jrrgewinden des vernünftelnden Speculirens sonderRegel, Licht und Recht: desto mehr wird demselben auch ver-wandt und befreundet erscheinen der Geist Luthers. Und daßin unserer Zeit auf solche Weise erwacht und belebt ist dieSehnsucht nach der lebendigen Quelle: das ist eine köstlicheFrucht der Verirrungen, Prüfungen und schmerzlichen Erfah-rungen der letzten Decennien.
Der Herausgeber glaubt, in diesen Altdeutungen nichtallein das Unternehmen, eine Auswahl der Werke Lutherszu veranstalten, gerechtfertiget, sondern auch die Grundsätzeausgesprochen zu haben, welche in allen Theilen derselbenleben, und welche treulich darzulegen er für eine heiligeWicht, wie gegen Luther, also gegen die Leser, hielt.Er mögte gern durch diese Arbeit dazu beitragen, daß Lutherselbst in seiner Persönlichkeit und Eigenthümlichkeit richtigererkannt, sein Werk der Glaubensreinigung allgemeiner gewür-diget, und dadurch Hochachtung gegen ihn, und inniger Dankgegen Den, der ihn berief, ausrüstete und stärkte zu demsel-ben, erweckt werden möge. Dabei war es sein Bestreben,keine der Haupt- und Grundlehren des Christenthums zuübersehen, sondern sie mit den Worten Luthers hervortreten zulassen, und dadurch zu zeigen, in welcher Gestalt sie dem er-