Vo r w o r t.
IX
daß Luther einer solchen, allein wünschenswerthen und bestän-digen Vereinigung entgegen sei, daß durch diese Darlegungdes Wesentlichen aus seinen Schriften der zu hoffenden, immerinnigeren Einheit der evangelischen Kirche ein Hinderniß inden Weg gcleget werde. Er, der so eifrig gegen alle Secten-namen war, und durchaus nicht wollte, daß ein Theil der ge-reinigten Kirche seinen Namen führen sollte, verweiset unab-lässig auf den einigen Meister, welcher ist Christus. Derist das Haupt der Gemeinde, und hat den Frieden gestiftetdurch das Blut an seinem Kreuz durch sich selbst. Und die,die da weiland Fremde und Feinde waren durch die Vernunft,hat er versöhnet, so sie anders bleiben im Glauben gegründetund fest und unbeweglich von der Hoffnung des Evangeliiu. s. w. (Col. 1, 17. ff.)
Den Vorwurf der Lutherolatrie und Lutheromanie fürch-ten wir bei der Herausgabe seiner Werke eben so wenig, alsman in den derzeitigen Ausgaben der übrigen deutschen Clas-siker eine tadelnswerthe Anerkennung ihres fortdauernden Wer-thes gesunden hat. Dem Sinne Luthers wird ebenfalls, sohoffen wir, ein Denkmal dieser Art entsprechender sein, alsmanches andere, welches man ihm zu errichten sich gedrungengefühlt hat. Das Urtheil, welches er selbst über seine Schrif-ten fällte, ja, sein mehrmals geäusserter Wunsch, daß sie un-tergehen möchten, ist ein Beweis seiner Demuth, mit der er,sich selbst und sein Thun vergessend, nur dem Worte Gottesallgemeine Achtsamkeit zu gewinnen strebte. Nur, wenn siedem Ansehen desselben hinderlich sein sollten, wünschet er: „O!„daß Gott wollte, daß mein und aller Lehrer Auslegungen„untergingen, und jeglicher Christ selbst die blosse Schrift und„Gottes Wort vor sich nähme! Du stehest aus meinem Ge-schwätz, wie unermeßlich ungleich Gottes Worte sind gegen„aller Menschen Wort, wie gar kein Mensch mag ein einiges„Gottes Wort genugsam erreichen und verklären mit allen
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