VI
Vorwort.
nicht flössen. Auf gleichem Wege, verzagend an eigener,wie an aller menschlichen Weisheit, wird noch immer derMensch, von innerm Drange nach Wahrheit, Ruhe und Frie-den getrieben, an die heilige Offenbarung gesühret, derenSchatze das Gebet ihm aufschliesset, Apgesch. 1, 14; Luc. 2-l,31, und die Decke hinwegnimmt, die sein Angesicht verhüttete,2. Cor. 3, 13. Erleuchtet durch ihr Licht, prüfet der evan-gelische Christ, prüfet selbst die Erzeugnisse der Zeit, insofernsie mit der Religionslehre, oder mit dem religiösen Leben inBeziehung stehen, und, gestützt auf ihre klaren Aussprüche,protestirt er freimüthig und fortwährend gegen jede Verküm-merung, so wie gegen jede vorgebliche Bereicherung des in derheiligen Schrift enthaltenen christlichen Lehrbegriffs. Mensch-liche Autorität, Machtsprüche, Verjährung, gelten ihm nichts,wo Gott redet; mit einem: Also stehet geschrieben! spricht erihnen das Urtheil, wie Luther selbst, der frei rügte die Greueldes Papstthums, und nicht widerrufen wollte, es sei denn,man überführe ihn seines Unrechts aus der Schrift.
Wie zu seiner Zeit durch die Rückkehr zur Offenbarungdas Riesengebäude niedergestürzt wurde, welches Stolz undEigendünkel zusammengetragen und die durch sie irregeleiteteVernunft in einander gefüget hatte, und in welchem Machtund Gewalt die Getäuschten zurückhielt und sie zwang, dieschmähliche Gefangenschaft in der Willkür ihrer Mitmenscheneine allein seligmachende Kirche zu nennen: also gewähret injeder Zeit das demüthige Festhalten an der heiligen Schriftder wahren Freiheit den Sieg über das Joch der Menschen-satzung. Das unablässige Bestreben des Antichrists war stetsdahin gerichtet, das geoffenbarte Wort den Menschen zu ent-fremden, zu verdunkeln, zu entreissen; und wie er sich auchhüllen möge in ein zeitgemäßes Gewand: dem Geiste nach ister immer derselbe. Müssen demnach auch die Waffen gegenihn dieselben sein: so behalten die Werke der Vorzeit in dem