232 Neisebilder II,
Ehrfurcht vor dem heiligen Geiste übcrschlcicht den Günderer, wenner im Mondschein die dunkeln Bnrgtrnmmer sieht aus der Zeit desBauernkriegs, Wohl dem, der nüchternen Sinns, nichts anderessieht; ist man aber ein Sonntagskind — und das ist jeder GeschichtS-kundige — so sieht man auch die hohe Jagd, die der deutsche Adel,der rohestc der Welt, gegen die Besiegten geübt, man sieht, wietanscndweis die Wehrlosen totgeschlagen, gefoltert, gespießt und ge-martert wurden, und aus den wogenden Kornfeldern sieht man siegeheimnisvoll nicken, die blutigen Baucrnköpfe, und drübcrhin hörtman pfeifen eine entsetzliche Lerche, rachegellcnd, wie der Pfeifervom Helfcnstcin,
Etwas besser erging es den Brüdern in England und Schotttand; ihr Untergang war nicht so schmählich und erfolglos, und nochjetzt sehen wir dort die Früchte ihres Regiments. Aber es gelangihnen keine feste Begründung desselben, die sauberen Kavaliereherrschen wieder nach wie vor, und ergötzen sich an den Spaßgcschichtenvon den alten starren Stupköpfen, die der befreundete Barde zu ihrermüßigen Unterhaltung so bnbsch beschrieben. Keine gesellschaftlicheUmwcilznng hat in Großbritannien stattgefunden, das Gerüste derbürgerlichen und Politischen Institutionen blieb unzerstört, die KastenHerrschaft und das Zunftwesen hat sich dort bis ans den heutigenTag erhalten, und, obgleich getränkt von dem Lichte und der Wärmeder neueren Civilisation, verharrt England in einem mittelalterlichenZustande oder vielmehr im Zustande eines fashionabcln Mittelalters,Die Konzessionen, die dort den liberalen Ideen gemacht worden,sind dieser mittelalterlichen Starrheit nur mühsam abgekämpft worden,und nie ans einem Prinzip, sondern ans der faktischen Notwendigkeitsind alle modernen Verbesserungen hervorgegangen, und sie tragenalle den Fluch der Halbheit, die immer neue Drangsal und neuenTodeskampf und dessen Gefahren nötig macht. Die religiöse Re-formation ist in England nur halb vollbracht, und zwischen denkahlen vier Gcfängniswttndcn der bischöflich anglikanischen Kirchebefindet man sich noch viel schlechter, als in dem weiten, hübsch bemalten und weich gepolsterten Geisteskerkcr des Katholizismus, Mitder politischen Reformation ist es nicht viel besser ergangen, dieVolksvertretung ist so mangelhaft als möglich — wenn die Ständesich auch nicht mehr durch den Rock trennen, so trennen sie sich dochnoch immer durch verschiedenen Gerichtsstand, Patronage, Hvffcihigkcit,Prärogative, GcwohnheitSvvrrechte und sonstige Fntalicn; und wennEigentum und Person des Volkes nicht mehr von aristokratischerWillkür, sondern vom Gesetze abhängen, so sind doch diese Gesetzenichts anderes nlS eine andere Art von Zähnen, womit die aristo-kratische Brut ihre Beute erhascht, und eine andere Art von Dolchen,womit sie das Volk meuchelt. Denn wahrlich, kein Tyrann vom