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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Die Oppositionsparteien. 215

andere mag ihn sogar übertreffen in der Kenntnis äußerer Schonheitcn der alten Litteratur, aber niemand ist tiefer als er durchdrnngen von der herrlichen und glühenden Philosophie, die gewißals ein kostbarer Edelstein hervorglttnzt ans jenen Schmuckkästchen,die uns das Altertum hinterlassen hat. Brongham gebraucht nichtdie klare, fehlerfreie und dabei etwas hvfmäßige Sprache des Cicero;ebensowenig sind seine Reden in der Form denen des Demosthenesahnlich, obgleich sie etwas von dessen Farbe an sich tragen; aber ihmfehlen weder die streng-logischen Schlüsse des römischen Redners, nochdie schrecklichen Zornworte des Griechen. Dazu kommt noch, daßkeiner besser als er es versteht, das Wissen des Tages in seinenParlamentsrcden zu benutzen, so daß diese zuweilen, abgesehen vonihrer politischen Tendenz und Bedeutung, schon als bloße Vor-lesungen über Philosophie, Litteratur und Künste, unsere Bewun-derung verdienen würden.

Es ist indessen gänzlich unmöglich, den Charakter des Manneszu analysieren, während man ihn sprechen hört. Wenn er, wie schonoben erwähnt worden, das Gebäude seiner Rede ans einen gutenphilosophischen Boden und in der Tiefe der Vernunft gegründet hat;wenn er, nochmals zu dieser Arbeit zurückgekehrt, Senkblei undRichtmaß anlegt, um zu untersuchen, vb alles in Ordnung ist, undmit einer Riesenhand zu Prüfen scheint, ob alles auch sicher zusammenhält; wenn er die Gedanken aller Zuhörer mit Argumenten fest-gebunden wie mit Seilen, die keiner zu zerreißen imstande istdann springt er gewaltig auf das Gebäude, das er sich gezimmerthat, es erhebt sich seine Gestalt und sein Ton, er beschwört dieLeidenschaften ans ihren geheimsten Winkeln, und überwältigt underschüttert die manlanfsperrcndcn Parlamcntsgenossen und das ganzedröhnende Hans. Jene Stimme, die erst so leise und anspruchloswar, gleicht jetzt dem betäubenden Brausen und den unendlichenWogen des Meeres; jene Gestalt, die vorher unter ihrem eigenenGewichte zu sinken schien, sieht jetzt aus, als hätte sie Nerven vonStahl, Sehnen von Kupfer, ja als sei sie unsterblich und unverän-derlich wie die Wahrheiten, die sie eben ausgesprochen; jenes Gesicht,welches vorher blaß und kalt war wie ein Stein, ist jetzt belebt undleuchtend, als wäre der innere Geist noch mächtiger als die ge-sprochenen Worte; und jene Augen, die uns anfänglich mit ihrenblaue» und stillen Kreisen so demütig ansahen, als wollten sie unsereNachsicht und Verzeihung erbitten, ans denselben Augen schießt jetztein meteorisches Feuer, das alle Herzen zur Bewunderung entzündet.So schließt der zweite, der leidenschaftliche oder deklamatorische Teilder Rede.

Wenn er da? erreicht hat, was man für den Gipfel der Bered-samkeit halten möchte, wenn er gleichsam umherblickt, nin die Be-