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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
216
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LI6 Reisebilder II,

wuudcruug, die er hervorgebracht, mit Hohnlächeln zu betrachten,dann sinkt seine Gestalt wieder zusammen, und auch seine Stimmefällt herab bis zum sonderbarsten Flüstern, das jemals aus der Brusteines Menschen hervorgekommen, DieseS seltsame Hcrabstiinmen odervielmehr Fallenlassen des Ausdrucks, der Gebärde und der Stimme,welches Brougham in einer Vollkommenheit besitzt, wie es bei garkeinem andern Redner gefunden wird, bringt eine wunderbare Wir-kung hervor; und jene tiefen, feierlichen, fast hingemurmclten Worte,die jedoch bis ans den Anhauch jeder einzelnen Silbe vollkommenvernehmbar sind, tragen in sich eine Zaubergewalt, der man nichtwiderstehen kann, selbst wenn man sie zum" ersten Male hört undihre eigentliche Bedeutung und Wirkung noch nicht kennen gelernthat. Man glaube nur nicht etwa, der Redner oder die Rede seierschöpft. Diese gemilderten Blicke, diese gedämpften Töne bedeutennichts weniger als den Anfang einer Peroration, womit der Redner,als ob er fühle, daß er etwas zu iveit gegangen, seine Gegner wiederbesänftigen will. Im Gegenteil, dieses Zusammenkrümmen des Leibesist kein Zeichen von Schwäche, und dieses Fallenlassen der Stimmeist kein Vorspiel von Furcht und Unterwürfigkeit; es ist das lose,hängende Vorbeugen des Leibes bei einem Ringer, der die Gelegen-heit erspäht, Ivo er seinen Gegner desto gewaltsamer umschlingenkann, eS ist das Zurückspringen dcS Tigers, der gleich darauf mitdesto sichereren Krallen auf seine Beute losstürzt, es ist das Zeichen,daß Heinrich Brougham seine ganze Rüstung anlegt und seine mäch-tigste Waffe ergreift. In seinen Argumenten war er klar und über-zeugend; in seiner Beschwörung der Leidenschaften war er zwar etwashochmütig, doch auch mächtig und siegreich; jetzt aber legt er denletzten, ungeheuersten Pfeil auf seinen Bogen er wird fürchterlichin seinen Jnvcktiven, Wehe dem Manne, dem jenes Auge, das vor-her so ruhig und blau war, jetzt entgcgenflammt ans dem geheimnis-vollen Dunkel dieser zusammengezogenen Brauen! Wehe dem Wicht,dem diese halbgcflüsterten Worte ein Vorzeichen sind von dem Un-heil, das über ihn herabschwebt!

Wer als ein Fremder vielleicht heute zum erstenmal die Galeriedes Parlaments besucht, weiß nicht, was jetzt kommen wird. Er siehtbloß einen Mann, der ihn mit seinen Argumenten überzeugt, mitseiner Leidenschaft erwärmt hat, und jetzt mit jenem sonderbarenFlüstern einen sehr lahmen, schwächlichen Schluß anzubringen scheint,O Fremdling! wärest du bekannt mit den Erscheinungen dieses Hausesund auf einem Sitze, wo du alle Parlamentsmitglieder übersehenkönntest, so würdest du bald merken, daß diese in betreff eines solchenlahmen, schwächlichen Schlusses durchaus nicht deiner Meinung sind.Du würdest manchen bemerken, den Parteisucht oder Anmaßung indieses stürmische Meer, ohne gehörigen Ballast und das nötige