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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
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Liliputaner nicht wissen, was sie mit dem großen Gefangenen an-fangen sollen, wie sie tansendweise an ihm hernmklettern und ihnmit unzähligen dünnen Härchen festbinden, wie sie mit großen An-stalten ihm ein eigenes großes Haus errichten, wie sie über dieMenge Lebensmittel klagen, die sie ihm täglich verabreichen müssen,wie sie ihn im Staatsrat anschwärzen und beständig jammern, daßer dem Lande zu viel koste, wie sie ihn gern umbringen möchten,ihn aber noch im Tode fürchten, da sein Leichnam eine Pest hervor-bringen könne, wie sie sich endlich zur glorreichsten Großmut ent-schließen, und ihm seineu Titel lassen und nur seine Augen aus-stechen wollen rn s. Nu Wahrlich, überall ist Lilipnt, wo ein großerMensch unter kleine Menschen gerät, die unermüdlich und auf diekleinlichste Weise ihn abquälen, und die Widder durch ihn genug Qualund Not ausstehen; aber hätte der Dechant Swift in unserer Zeitsein Buch geschrieben, so würde man in dessen scharfgeschliffcnemSpiegel nur die Gefangenschaftsgeschichte des Kaisers erblicken, undbis auf die Farbe des Rocks und des Gesichts die Zwerge erkennen,die ihn gequält haben.

Nur der Schluß des Märchens von St. Helena ist anders, derKaiser stirbt an einem Magenkrebs, und Walter Scott versichert uns,das sei die alleinige Ursache seines Todes. Darin will ich ihm auchnicht widersprechen. Die Sache ist nicht uinuöglich. Es ist möglich,daß ein Mann, der auf der Folterbank gespannt liegt, plötzlich ganznatürlich an einem Schlagfluß stirbt. Aber die böse Welt wirdsagen, die Folterknechte haben ihn hingerichtet. Die böse Welt hatsich nun einmal vorgenommen, die Sache ganz anders zu betrachten,wie der gute Walter Scott. Wenn dieser gute Mann, der sonst sobibelfest ist und gern das Evangelium citiert, in jenem Aufruhr derElemente, in jenem Orkane, der beim Tode Napoleons ausbrach,nichts anderes sieht, als ein Ereignis, das auch beim Tode Crvm-wclls stattfand, so hat doch die Welt darüber ihre eigenen Gedanken.Sie betrachtet den Tod Napoleons als die entsetzlichste Unthat, los-brechendes Schmerzgefühl wird Anbetung, vergebens macht WalterScott den aävovntum cliuboli, die Heiligsprechung des toten Kaisersströmt aus allen edeln Herzen, alle edeln Herzen des europäischenVaterlandes verachten seine kleinen Henker und den großen Barden, dersich zu ihrem Complicen gesungen, die Musen werden bessere Sänger zurFeier ihres Lieblings begeistern, und wenn einst Menschen verstum-men, so sprechen die Steine, und der Marthrfelsen St. Helena ragtschauerlich aus den MeereSwellen, und erzählt den Jahrtausendenseine ungeheure Geschichte.

H-ine's Werke. VI. Bd.

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