166 Neisebilder II.
Schlußwort.
(Geschrieben den 29. November 1830.)
Es war eine niedergedrückte, arretierte Zeit in Deutschland, alsich den zweiten Band der Reiscbilder schrieb und während desSchreibens drucken ließt Ehe er aber erschien, verlautete schau etwasdavon im Publikum, es hieß, mein Buch wolle den eingeschüchtertenFreiheitsmut wieder aufmuntern, und man treffe schon Maßregeln,es ebenfalls zu unterdrücken. Bei solchem Gerüchte war es ratsam,das Werk um so schneller zu fördern und aus der Presse zu jagen.Da es eine gewisse Bogenzahl enthalten mußte, um den Ansprüchelteiner hochlöblichen Censur zu entgehen, so glich ich in jener Notdem Benvenuto Cellini, als er beim Guß des Pcrseus nicht Erzgenug hatte, und zur Füllung der Form alle zinnerne Teller, dieihm zur Hand lagen, in den Schmelzofen warf. Es war gewißleicht, das Zinn, besonders das zinnerne Ende des Buches, von dembessereu Erze zu unterscheiden; doch wer das Handwerk verstand,verriet den Meister nicht.
Wie aber alles in der Welt wiederkehren kann, so geschieht esauch, daß sich zufälligerweise bei diesem Bande eine ähnliche Be-drängnis ereignet, und ich habe wieder eine Menge Zinn in denGuß werfen müssen, und ich wünsche, daß man meine Zinngießereiennur der Zeitnot zuschreibe.
Ach! ist ja das ganze Buch aus der Zeitnot hervorgegangen,ebenso wie die früheren Schriften ähnlicher Richtung; die näherenFreunde des Verfassers, die seiner Privatverhältnisse kundig sind,wissen sehr gut, wie wenig ihn die eigene Selbstsucht zur Tribünedrängt, und wie groß die Opfer sind, die er bringen muß für jedesfreie Wort, das er seitdem gesprochen — und, will's Gott! nochsprechen wird. Jetzt ist das Wort eine That, deren Folgen sich nichtabmessen lassen; kann doch keiner genau wissen, ob er nicht gar amEnde als Blutzeuge auftreten muß für das Wort.
Seit mehreren Jahren warte ich vergebens auf das Wort jenerkühnen Redner, die einst in den Versammlungen der deutschenBurschenschaft so oft ums Wort baten, und mich so oft durch ihrerhetorischen Talente überwunden, und eine so vielversprechendeSprache gesprochen; sie waren sonst so vorlaut, und sind jetzt souachstill. Wie schmähten sie damals die Franzen und das welscheBabel und den uudeutschen, frivolen Vaterlandsverräter, der dasFranzentum lobte. Jenes Lob hat sich bewährt in der großen Woche.
Ach, die große Woche von Paris! Der Freiheitsmut, der vondort herüberwehte nach Deutschland, hat freilich hier und da dieNachtlichter umgeworfen, so daß die roten Gardinen an einigenThronen in Brand gerieten und die goldenen Kronen heiß wurden