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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Die Stadt Lncca. 161

Bäumen, schwere Thräncntrvpfen hingen an den letzten Blumen, diegar traurig welk die sterbenden Köpfchen senkten, die Nachtigallenwaren längst verschollen, von allen Seiten starrte mich an das Bildder Vergänglichkeit, und mein Herz wollte schier brechen, als ichlas, wie der edle Ritter betäubt und zermalmt am Boden lag und,ohne das Visier zu erheben, als wenn er aus dein Grabe gesprochenhätte, mit schwacher, kranker Stimme zu dem Sieger hinanfsprnch:Dnlcinea ist das schönste Weib der Welt und ich der unglücklichsteRitter ans Erden, aber es ziemt sich nicht, daß meine Schwäche dieseWahrheit verleugne stoßt zu mit der Lanze, Ritter!"

Ach! dieser leuchtende Ritter vom silbernen Monde, der den mu-t igsten und edelsten Mann der Welt besiegte, war ein verkappter Barbier!

Kapitel XVII.

DaS ist nun lange Herr Viele neue Lenze sind unterdessen her-vorgeblüht, doch mangelte ihnen immer ihr mächtigster Reiz, dennach! ich glaube nicht mehr den süßen Lügen der Nachtigall, derSchmeichlerin des Frühlings, ich weih, wie seine Herrlichkeit ver-welkt, und wenn ich die jüngste Rvsenknospe erblicke, sehe ich sie imGeiste schmerzrot aufblühen, erbleichen und Vvn den Winden ver-weht. Überall sehe ich einen verkappten Winter.

In meiner Brust aber blüht noch jene flammende Liebe, diesich sehnsüchtig über die Erde emporhebt, abenteuerlich herumschwärmtin den weiten, gähnenden Räumen des Himmels, dort zurückgestoßenwird von den kalten Sternen, und wieder heimsinkt zur kleinen Erde,und mit Seufzen und Jauchzen gestehen muß, daß es doch in derganzen Schöpfung nichts Schöneres und Besseres giebt als daS Herzder Menschen. Diese Liebe ist die Begeisterung, die immer göttlicherArt, gleichviel ob sie thörichte oder weise Handlungen verübt.lind so hat der kleine Knabe keineswegs unnütz seine Thräncn ver-schwendet, die er über die Leiden des närrischen Ritters vergoß,ebensowenig wie späterhin der Jüngling, als er manche Nacht imStndierstübchcn weinte über den Tod der heiligsten FreiheitSheldcn,über König Agis Vvn Sparta, über Casus und Tiberius GracchusVvn Rom, über JcsuS von Jerusalem, und über RobeSPierre undSaint Inst von Paris. Jetzt, wo ich die Toga viriliS angezogenund selbst ein Mann sein will, hat das Weinen ein Ende, und esgilt zu handeln wie ein Mann, nachahmend die großen Vorgängerund, will's Gott! künftig ebenfalls beweint von Knaben und Jüng-lingen. Ja, diese sind es, auf die mau noch rechnen kann in unsererkalten Zeit; denn diese werden noch entzündet von dem glühendenHauche, der ihnen aus den alten Büchern entgegcnweht/nnd des-halb begreifen sie auch die Flammcnherzen der Gegenwart. DieJugend ist uneigennützig im Denken und Fühlen, und denkt undHctne'S Werk e. VI. Bd. 11