158 ReiMlber II.
heit dcS täglichen Anblicks sehr uninteressant gelvvrden, nnd dessenSchwächen nnd nur andrcssiertc Künste sie allzu genau kennen.
Ob der liebe Gott es noch lange dulden wird, daß die Pfaffeneinen leidigen Popanz für ihn ausgeben und damit Geld verdienen,das weiß ich nicht; — wenigstens würde ich mich nicht wundern,wenn ich mal im „Hamb. UnPart. Korrespondenten" läse, daß deralte Jehovah jedermann warne, keinem Menschen, es sei wer es wolle,nicht einmal seinem Sohne, auf seinen Namen Glauben zu schenken.Überzeugt bin ich aber, wir werden's mit der Zeit erleben, daß dieKönige sich nicht mehr hergeben wollen zu einer Schaupnppe ihreradligen Verächter, daß sie die Etiketten brechen, ihren marmornenBuden entspringen, und unwillig von sich werfen den glänzendenPlunder, der dem Volke imponieren sollte, den roten Mantel, derscharfrichterlich abschreckte, den diamantenen Reif, den man ihnenüber die Ohren gezogen, um sie den Volksstimmen zu versperren,den goldenen Stock, den man ihnen als Scheinzeichen der Herrschaftin die Hand gegeben — nnd die befreiten Könige werden frei seinwie andere Menschen, und frei unter ihnen Wandelp, nnd frei fühlennnd frei heiraten, und frei ihre Meinung bekennen, nnd das ist dieEmancipation der Könige.
Kapitel xv.
Was bleibt aber den Aristokraten übrig, wenn sie der gekröntenMittel ihrer Snbsistenz beraubt werden, wenn die Könige ein Eigen-tum des Volks sind, nnd ein ehrliches nnd sicheres Regiment führendurch den Willen des Volks, der alleinigen Quelle aller Macht?Was werden die Pfaffen beginnen, wenn die Könige einsehen, daßein bißchen Salböl keinen menschlichen Kopf gnillotinenfcst machenkann, ebenso wie das Volk täglich mehr nnd mehr einsieht, daß manvon Oblaten nicht satt wird? Nun freilich, da bleibt der Aristokratieund der Klerisei nichts übrig als sich zu verbünden, und gegen dieneue Weltvrdnung zu kabalieren und zu intrignicren.
Vergebliches Bemühen! Eine flammende Riesin, schreitet dieZeit ruhig weiter, unbekümmert um das Gekläffe bissiger Pfäffchcnnnd Junkerlein da unten. Wie heulen sie jedesmal, wenn sie sichdie Schnauze verbrannt an einem Fuße jener Riesin, oder wenndiese ihnen mal unversehens aus die Köpfe trat, daß das obskureGift heransspritste! Ihr Grimm wendet sich dann um so tückischergegen einzelne Kinder der Zeit, und, ohnmächtig gegen die Masse,suchen sie an Individuen ihr feiges Mütchen zu kühlen.
Ach! wir müssen es gestehen, manch armes Kind der Zeit fühltdarum nicht minder die Stiche, die ihm lauernde Pfaffen und Junkerim Dunkeln beizubringen wissen, und ach! wenn auch eine Gloriesich zieht um die Wunden des Siegers, so bluten sie dennoch, nnd