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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Neifebilder ll.

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hervorgaukeltcu, schwamm eine lächelnde Zufriedenheit um die vollenRosenlippen Frauceskas. Sie sprach wenig. Ihr Gang war jedochnicht mehr so seufzend entsagungsselig wie am verflossenen Abend,sie trat vielmehr siegreich einher, jeder Schritt ein Trompetenton;es war indessen mehr ein geistlicher Sieg als ein weltlicher, der sichin ihren Bewegungen kund gab, sie war fast daS Bild einer trium-phierenden Kirche, und um ihr Haupt schwebte eine unsichtbare Glorie.Die Augen aber, wie aus Thronen hervorlachend, waren wiederganz wcltkindlich, und in dem bunten Menschenstrom, der uns vor-beiflutete, ist auch kein einziges Kleidungsstück ihrem Forscherblickentgangen. Ecco! war dann ihr Ausruf, welcher Shawl! der Mar-chese soll mir ebensolchen Kaschmir zu einem Turban kaufen, wennich die Roxelane tanze. Ach! er hat mir auch ein Kreuz mit Dia-manten versprochen!

Armer Gumpelino! zu dem Turbane wirst du dich leicht ver-stehen, jedoch das Kreuz wird dir noch manche saure Stunde machen;aber Signora wird dich so lange quälen und auf die Folter spannen,bis du dich endlich dazu bequemst.

Kapitel XI.

Die Kirche, worin das wunderthätige Kreuz von Lucca zu sehenist, gehört zu einem Kloster, dessen Namen mir diesen Augenblicknicht im Gedächtnisse.

Bei unserem Eintritt in die Kirche lagen vor dem Hauptaltareein Dutzend Mönche auf den Knieen, in schweigendem Gebet. Nurdann und wann, wie im Chor, sprachen sie einige abgebrocheneWorte, die in den einsamen Säuleugängen etwas schauerluh wieder-hallten. Die Kirche war dunkel, nur durch kleine gemalte Fensterfiel ein buntes Licht auf die kahlen Häupter und braunen Kutten.Glanzlose Kupferlampen beleuchteten spärlich die geschwärzten FreSkosund Altarbilder, aus den Wänden traten hölzerne Heiligenköpfc, grellbemalt und bei dem zweifelhaften Lichte wie lebendig grinsend. —Mylady schrie laut auf, und zeigte zu unseren Füßen einen Grab-stein, worauf in Relief das starre Bild eines Bischofs mit Mitraund Hirtcnstab, gefallenen Händen und abgetretener Nase. Ach!flüsterte sie, ich selbst trat ihm unsanft auf die steinerne Nase, undnun wird er mir diese Nacht im Traume erscheinen und da giebt'seine Nase.

Der Sakristnn, ein bleicher, junger Mönch, zeigte uns daswunderthätige Kreuz, und erzählte dabei die Mirakel, die es verrichtet.Launisch, wie ich bin, habe ich vielleicht kein ungläubiges Gesicht dazugemacht; ich habe dann und wann Anfälle von Wunderglauben, be-sonders Ivo, wie hier, Ort und Stunde denselben begünstigt. Ichglaube dann, daß alles in der Welt ein Wunder sei, und die ganze