Die Stadt Lucca. 147
und die Mündung der Kanonen für einen Eingang in eine bessereWelt ansehen,
Mylady, sprach ich, Sie wären ein schlechter Regent, Sie wissenwenig vom Regieren, und von der Politik verstehen Sie gar nichts.Hätten Sie die politischen Annalen gelesen —
Ich verstehe dergleichen vielleicht besser als Sie, teurer Doktor,Schon früh suchte ich mich darüber zu unterrichten. Als ich nochklein war, in Dublin —
Und auf dem Rücken lag im Gras — und nachdachte, oderauch nicht, wie in Namsgate —
Ein Blick, wie leiser Vorwurf der Undankbarkeit, fiel auS My-ladhs Augen, dann aber lachte sie wieder, und fuhr fort: Als ichnoch klein war, in Dublin, und auf einem Eckcheu von dem Schemelsitzen konnte, worauf Muttcrs Füße ruhten, da hatte ich immerallerlei zu fragen, was die Schneider, die Schuster, die Bäcker, kurzwas die Leute in der Welt zu thun haben? Und die Mutter er-klärte dann: Die Schneider machen Kleider, die Schuster machenSchuhe, die Bäcker backen Brot — Und als ich nun frug: Was thundenn die Könige? da gab die Mutter zur Antwort: Die regieren.Weißt du wohl, liebe Mutter, sagte ich, wenn ich König wäre, sowürde ich mal einen ganzen Tag gar nicht regieren, bloß um zusehen, wie es dann in der Welt aussieht, LiebeS Kind, antwortetedie Mutter, das thun auch manche Könige, und es sieht auch danndanach aus.
Wahrhaftig, Mylady, Ihre Mutter hatte recht. Besonders hierin Italien giebt es solche Könige, und man merkt es wohl in Pie-mout und Neapel —
Aber, lieber Doktor, es ist so einem italienischen König nicht zuverargen, wenn er manchen Tag gar nicht regiert, wegen der allzugroßen Hitze, Es ist nur zu befürchten, daß die Carbouari so einenTag benutzen möchten; denn in der neuesten Zeit ist es mir be-sonders aufgefallen, daß die Revolutionen immer au solchen Tagenausgebrochen sind, Ivo nicht regiert wurde. Irrten sich einmal dieCarbvnari, und glaubten sie, es wäre so ein unregiertcr Tag, undgegen alle Erwartung wurde dennoch regiert, so verloren sie dieKöpfe, Die Carbvnari können daher nie vorsichtig genug sein, undmüssen sich genau die rechte Zeit merken. Dagegen aber ist es diehöchste Politik der Könige, daß sie es ganz geheim halten, an welchenTagen sie nicht regieren, daß sie sich an solchen Tagen wenigstenseinigemal auf den Regierstuhl setzen und etwa Federn schneiden oderBriefconverts versiegeln oder weiße Blätter liniicren, alles zumSchein, damit das Volk draußen, das neugierig in die Fenster desPalais hineingnckt, ganz sicher glaube, es werde regiert.
Während solche Bemerkungen ans Myladys feinem Mündchcn
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