Reisebildcr II.
dem Denonschcn Werke, auS der Zanberflötc und aus dem Belzoni*)kennen lernt; es innren altgediente Gesichter, und sie schienen eineArt von alter Garde zu bedeuten. Zuletzt kam der eigentliche Stab,ein Thronhimmel und darunter ein alter Manu mit einer nochhöheren Mütze und in einer noch reicheren Decke, deren Zipfel vonzwei ebenso gekleideten alten Männern nach Pagenart getragen wnrden.
Die vorderen Mönche gingen mit gekreuzten Armen, ernsthaftschweigend; aber die mit den hohen Mützen sangen einen gar un-glücklichen Gesang, so näselnd, so schlürfend, so kollernd, daß ichüberzeugt bin, wären die Juden die größere Volksmenge und ihreReligion wäre die Staatsreligion, so würde man obiges Gesinge mitdem Namen „Mauscheln" bezeichnen. Glücklicherweise konnte maues nur zur Hälfte vernehmen, indem hinter der Prozession mit lau-tem Trommeln und Pfeifen mehrere Kompanien Militär einhcr-zogen, sowie überhaupt an beiden Seiten neben den wallenden Geist-lichen auch immer je zwei und zwei Grenadiere marschierten. Eswaren fast mehr Soldaten als Geistliche; aber zur Unterstützung derReligion gehören heutzutage viel Bajonette, und wenn gar derSegen gegeben wird, dann müssen in der Ferne auch die Kanonenbedeutungsvoll donnern.
Wenn ich eine solche Prozession sehe, wo unter stolzer Militär-Eskorte die Geistlichen so gar trübselig und jammervoll einhcrwan-deln, so ergreift es mich immer schmerzhaft, und es ist mir, als säheich unseren Heiland selbst, umringt von Lanzenträgern, zur Richt-stätte abführen. Die Sterne von Lucca dachten gewiß wie ich, undals ich seufzend nach ihnen hinausblickte, sahen sie mich so überein-stimmend an mit ihren frommen Augen, so hell, so klar. Aber manbedurfte nicht ihres Lichtes, tausend und abertausend Lampen undKerzen und Mädchengesichtcr flimmerten aus allen Fenstern, an denStraßenecken standen lodernde Pechkränzc aufgepflanzt, und dannhatte auch jeder Geistliche noch seinen besonderen Kerzentrnger zurSeite. Die Kapuziner hatten meistens kleine Buben, die ihnen dieKerzen trugen, und die jugendlich frischen Gesichtchen schauten bis-weilen recht neugierig vergnügt hinauf nach den alten ernsten Bärtcn;so ein armer Kapuziner kann keinen großen Kerzenträger besolden,und der Knabe, den er das Ave Maria lehrt, oder dessen Muhmeihm beichtet, muß bei Prozessionen wohl gratis dieses Amt über-nehmen, und es wird darum gewiß nicht mit geringerer Liebe ver-richtet. Die folgenden Mönche hatten nicht viel größere Buben,einige vornehmere Orden hatten schon erwachsene Rangen, und diehochmützigen Priester hatten wirkliche Bürgersleute zu Kerzenträgern.Aber endlich gar der Herr Erzbischof — denn das war wohl der
*) Leiter und Veschreiber ägyptischer Ausgrabungen im Anfang dieses Jahr-hunderts.