Die Stadt Lucca.
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roten Hals mit dem feisten Glatzenhaupt recht lang aus der braunenKutte hervorreckte, und neben ihm kam ein vollbusig nacktes Weibs-bild zum Vorschein; unten in die halb offene Hausthüre sah ich einenkleinen Jungen hineingehen, der als ein schwarzer Abbate gekleidetwar, und mit beiden Händen eine mächtig großbäuchige Weinflaschetrug. — In demselben Augenblick läutete unfern ein feines ironischesGlöcklein, und in meinem Gedächtnisse kicherten die Novellen desBoccaccio. Diese Klänge konnten aber keineswegs das seltsameGrauen, das meine Seele durchschauerte, ganz verscheuchen. Es hieltmich vielleicht um so gewaltiger befangen, da die Sonne so warmund hell die unheimlichen Gebäude beleuchtete; und ich merkte wohl,Gespenster sind noch furchtbarer, wenn sie den schwarzen Mantel derNacht abwerfen und sich im hellen Mittngslichte sehen lassen.
Als ich jetzt, acht Tage später, wieder nach Lucca kam, wie er-staunte ich über den veränderten Anblick dieser Stadt! Was ist das!rief ich, als die Lichter mein Auge blendeten, und die Menschenströmedurch die Gassen sich wälzten. Ist ein ganzes Volk als nächtlichesGespenst auS dem Grabe gestiegen, um im tollsten Mummenschanzdas Leben nachzuäffen? Die hohen, trüben Häuser sind mit Lampenverziert, überall aus den Fenstern hängen bunte Teppiche, die morsch-grauen Wände fast bedeckend, und darüber lehnen sich holde Mädcheu-gesichter, so frisch, so blühend, daß ich wohl merke, es ist das Lebenselbst, das sein Vermtthluugsfest mit dem Tode feiert und Schönheitder Jugend dazu eingeladen hat. Ja, es war so ein lebendes Toten-fest — ich weiß nicht, wie es im Kalender genannt wird — aufjeden Fall so ein Schindungstag eines geduldigen Märtyrers, dennich sah nachher einen heiligen Totenschädel und noch einige Extra-kuochcn, mit Blnmen und Edelsteinen geziert, und unter hochzeitlicherMusik herumtragen. Es war eine schöne Prozession.
Voran gingen die Kapuziner, die sich von den andern Mönchendurch lange Bärte auszeichneten und gleichsam die Sappeurs dieserGlaubensnrmce bildeten. Darauf folgten Kapuziner ohne Bärte,worunter viele männlich edle Gesichter, sogar manch jugendlich schönesGesicht, das die breite Tonsur sehr gut kleidete, weil der Kopf da-durch wie mit einem zierlichen Haarkranz umflochten schien, und samtdem bloßen Nacken recht anmutig ans der braunen Kutte hervortrat.Hierauf folgten Kutten von andern Farben, schwarz, weiß, gelb,panachs, auch herabgeschlagene dreieckige Hüte, kurz all jene Klvster-kostüme, womit wir durch die Bemühungen unseres Generalinten-danten längst bekannt sind. Nach den Mönchsorden kamen dieeigentlichen Priester, weiße Hemden über schwarze Hosen, und farbigeKäppchen; hinter ihnen kamen noch vornehmere Geistliche, in bunt-seidene Decken gewickelt, und auf dem Haupte eine Art hoher Mützen,die wahrscheinlich aus Ägypten stammen, und die man auch aus
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