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Die Biider von Lucca. 121
und das er so sehr liebt. ES bleibt dieses immer ein Mangel anDelikatesse, mancher Jüngling wird deshalb an seiner Huldigungzweifeln, da jeder fühlt, daß der Wahrhaftliebende auch das ganzeGeschlecht verehrt. Der Sänger Fraucnlob war gewiß nie grob gegenirgend ein Weib, »nd ein Platen sollte daher mehr Achtung zeigengegen Männer. Aber der Undclikate! ohne Scheu erzählt er demPublikum, wir Dichter in Norddentschland hatten alle die „Krätze, wo-für wir leider eine Salbe brauchten, die als mephitisch er vor vielenschätze". Der Renn ist gut. Am unzartesten ist er gegen Jmmer-mann. Schon im Anfang seines Gedichts läßt er diesen hinter einerspanischen Wand Dinge thnn, die ich nicht nennen darf, und dennochnicht zu widerlegen sind. Ich halte es sogar für wahrscheinlich, daßJmmcrmann schon solche Dinge gethan hat. Es ist aber charakte-ristisch, daß die Phantasie des Grafen Platen sogar seine Feinden posterior! zu belauschen weiß. Er schonte nicht einmal Hvnwald,diese gute Seele, sanft wie ein Mädchen — ach, vielleicht eben dieserholden Weiblichkeit wegen haßt ihn ein Platen. Miltner, den er,wie er sagt, schon längst „durch wirklichen Witz urkräftig erlegt",dieser Tote wird wieder aus dem Grabe gescharrt. Kind und Kindcs-kind bleiben nicht unangetastet. Ranpach ist ein Jude,
„Das Jüdchen Raupet —
Das jetzt als Raupach trägt so hoch die Nase,"
„schmiert Tragödien im Katzenjammer". Noch weit schlimmer ergehtes dem „getauften Heine". Ja, ja, du irrst, dich nicht, lieber Leser,das bin ich, den er nieint, und im König Ödipns kannst du lesen,wie ich ein wahrer Jude bin, wie ich, wenn ich einige Stunden Liebes-lieder geschrieben, gleich darauf mich niedersetze und Dukaten beschneide,wie ich am Sabbath mit langbärtigen Mauscheln zusammenhocke undden Talmud singe, wie ich in der Osternacht einen unmündigenChristen schlachte und ans Malice immer einen unglücklichen Schrift-steller dazu wähle — Nein, lieber Leser, ich will dich nicht belügen,solche gute ausgemalte Bilder stehen nicht im König ÖdipnS, unddaß sie nicht darin stehen, das nur ist der Fehler, den ich tadele.Der Graf Platen hat zuweilen die besten Motive, und weiß sie nichtzu benutzen. Hätte er nur ein bißchen mehr Phantasie, so würde ermich wenigstens als geheimen Pfänderverlciher geschildert haben;welche kölnische Sccncn hätten sich dargeboten! Es thnt mir in derSeele weh, wenn ich sehe, wie sich der arme Graf jede Gelegenheitzu guten Witzen Vorbeigehen lassen! Wie kostbar hätte er Raupachbenutzen können als Tragödien-Rothschild, bei dem die königlichenBühnen ihre Anleihen machen! Den Ödipns selbst, die Hauptpersonseines Lustspiels, hätte er durch einige Modifikationen in der Fabeldes Stückes ebenfalls besser benutzen können. Statt daß er ihn den