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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
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12g Reisebilder II.

endlich entkrochen war, nnd das die Nachtcnlen der Kongregationmit frommem Gekrächze nnd die adeligen Pfanen mit freudigemRadschlagen schon lange im voraus begrüßt hatten. Es sollte nichtsMinderes als ein verderblicher Basilisk sein. Kennst du, lieber Leser,die Sage von dem Basilisk? Das Volk erzählt, wenn ein männlicherVogel, wie ein Weib, ein Ei gelegt, so entstände daraus ein giftigesGeschöpf, dessen Hauch die Lust verpeste, und das man nur dadurchtöten könne, daß man ihm einen Spiegel vorhalte, indem es alsdannüber den Anblick seiner eigenen Scheußlichkeit vor Schrecken sterbe.

Heilige Schmerzen, die ich nicht entweihen wollte, erlaubten esmir zwei Monate später, als ich auf der Insel Helgoland badete, denKönig Odipns zu lesen, und dort, großgestimmt von dem beständigenAnblick des großen, kühnen Meeres, mußte mir die kleinliche Gesin-nung nnd die Altflickerei des hochgeborenen Verfassers recht anschau-lich werden. Jenes Meisterwerk zeigte mir ihn endlich ganz wie erist, mit all seiner blühenden Welkheit, seinem Überfluß an Geistcs-mangel, seiner Einbildung oder Einbildungskraft, ganz wie er ist,forciert ohne Force, pikiert ohne pikant zu sein, eine trockene Wasser-seele, ein trister Freudenjnnge. Dieser Troubadour des Jammers,geschwächt an Leib nnd Seele, versuchte es, den gewaltigsten, phan-tasiereichstcn nnd wichtigsten Dichter der jugendlichen Griechenwcltnachzuahmen! Nichts ist wahrlich widerwärtiger als diese krampf-hafte Ohnmacht, die sich wie Kühnheit aufblasen möchte, diese müh-sam zusammengetragenen Jnvektivcn, denen der Schimmel des ver-jährten Grolls anklebt, nnd dieser silbenstecherisch ängstlich nachgeahmteGeistestaumcl. Wie sich von selbst versteht, zeigt sich in dcS GrafenWerk keine Spur von einer tiefen Weltvcrnichtnugsidee, die jedemaristophanischen Lustspiele zum Grunde liegt, und die darin wie einphantastisch ironischer Zauberbanm emporschießt mit blühendem Gc-dankenschmnck, singenden Nachtigallnestern und kletternden Affen.Eine solche Idee mit dem Todesjnbel und dem Zerstörungsfeuerwerk,das dazu gehört, durften wir freilich von dem armen Grafen nichterwarten. Der Mittelpunkt, die erste und letzte Idee, Grund undZweck seines sogenannten Lustspiels besteht, wie bei derverhängnis-vollen Gabel", wieder in geringfügig litterarischcn Händeln, der armeGraf konnte nur einige Äußerlichkeiten des Aristvphanes nachahmen,nämlich die feinen Verse und die groben Worte. Ich sage grobeWorte, weil ich keinen gröberen Ausdruck brauchen will. Wie einkeifendes Weib gießt er ganze Blumentöpfe von Schimpfreden auf dieHäupter der deutschen Dichter. Ich will dem Grafen herzlich gernseinen Groll verzeihen, aber er hätte doch einige Rücksichten beobachtenmüssen. Er hätte wenigstens das Geschlecht in uns ehren sollen, dawir keine Weiber sind, sondern Männer und folglich zu einem Ge-schlechte gehören, das nach seiner Meinung das schöne Geschlecht ist,