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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
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Die Bäder von Lucca.

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Ich bin es, ich bin der Poet! Was nie dem Hasse eines VerächtersChristi gelangen ist, das gelang der Exegese selbstllerliebter Eitelkeit.

Wie wir wissen, was wir davon zu halten haben, wenn einersolchermaßen beständig schreit: Ich bin der Poet! so wissen wir auch,was es für eine Bewandtnis hat mit den ganz außerordentlichenGedichten, die der Graf, wenn er die gehörige Reife erlangt, nochdichten will, und die seine bisherigen Meisterstücke an Bedeutung sounerhört übertreffen sollen. Wir wissen ganz genau, daß die späterenWerke des wahren Dichters keineswegs bedeutender sind als diefrüheren, ebensowenig wie ein Weib, je öfter sie gebärt, desto voll-kommenere Kinder zur Welt bringt; nein, das erste Kind ist schonebensogut wie das zweite nur das Gebären wird leichter. DieLöwin wirft nicht erst ein Kaninchen, dann ein Häschen, dann einHündchen und endlich einen Löwen. Madame Goethe warf gleich ihrenjungen Leu, und dieser gab uns beim ersten Wurf seinen Löwenvon Berlichingcu. Ebenso warf auch Schiller gleich seine Räuber, anderen Tatze man schon die Löwenart erkannte. Spater kam erst diePolitur, die Glätte, die Feile, die natürliche Tochter und die Brautvon Messina. Nicht so begab es sich mit dem Grafen Platen, dermit der ängstlichen Künstelei anfing, und von dein der Dichter singt:Du, der du sprangst so fertig aus dem Nichts,

Geleckten und lackierten Angesichts,

Gleichst einer Spielerei, geschnitzt aus Korke.

Indessen, wenn ich meine geheimsten Gedanken aussprechen soll,so gestehe ich, daß ich den Grafen Platen fiir keinen so großen Narrenhalte, wie man wegen jener Prahlsucht und beständigen Selbst-beräncherung glauben sollte. Ein bißchen Narrheit, das versteht sich,gehört immer zur Poesie; aber es wäre entsetzlich, wenn die Natureine so beträchtliche Portion Narrheit, die für hundert große Dichterhinreichen würde, einem einzigen Menschen aufgebürdet, und vonder Poesie selbst ihm nur eine so unbedeutend geringe Dosis gegebenhätte. Ich habe Gründe zu vermuten, daß der Herr Graf an seineeigene Prahlerei nicht geglaubt, und daß er, dürftig im Leben wiein der Litteratur, vielmehr für das Bedürfnis des Augenblicks seineigener anpreisender Ruffiano*) sein mußte in der Litteratur wie imLeben. Daher in beiden die Erscheinungen, von denen man sagenkonnte, daß sie mehr ein psychologisches als ästhetisches Interesse ge-währten, daher zu gleicher Zeit die weinerlichste Scelenerschlasfungund der erlogene Übermut, daher das klägliche Dünnethun mitbaldigem Sterben und das drohende Dickthun mit künftiger Unsterb-lichkeit, daher der auflodernde Bettelstolz und die schmachtende Unter-thänigkeit, daher das bestündige Klagen,daß ihn Cotta verhungern

") In Italien die Vermittler zweifelhaften Umgangs.