118 Reisebilder II.
lasse", und wiederum Klagen, „daß ihn Cotta verhungern lasse",daher die Anfälle von Katholizismus u. s. w.
Ob's dem Grafen mit dem Katholizismus ernst ist, daran zweifleich. Ob er überhaupt katholisch geworden ist, wie einige seiner hoch-geborenen Freunde, das weiß ich nicht. Daß er es werden wolle,ersnhr ich zuerst aus öffentlichen Blättern, die sogar hinzufügten,der Graf Platen werde Mönch und ginge ins Kloster. Böse Zungenmeinten, daß ihm das Gelübde der Armut und die Enthaltung vonWeibern nicht schwer fallen würde. Wie sich von selbst versteht, inMünchen klangen bei solchen Nachrichten die frommen Glöcklein in denHerzen seiner Freunde. Mit Kyrie eleison und Halleluja wurdenseine Gedichte gepriesen in den Pfaffenblättern; und in der That,die heiligen Männer des Cölibats mußten erfreut sein über jeneGedichte, wodurch die Enthaltung vom weiblichen Geschlecht befördertwird. Leider haben meine Gedichte eine andere Tendenz, und daßPfaffen und Knabensänger nicht davon angesprochen werden, konntemich zwar betrüben, aber nicht befremden. Ebensowenig befremdetees mich, als ich den Tag vor meiner Abreise nach Italien von mei-nem Freunde, dem Doktor Kolb, vernahm, daß der Graf Platen sehrfeindselig gegen mich gestimmt sei, und mir mein Verderben schonbereitet habe in einem Lustspiele, Namens „König Ödipus", das be-reits zu Augsburg bei einigen Fürsten und Grafen, deren Namenich vergessen habe oder vergessen will, angelangt sei. Auch andereerzählten mir, daß mich der Graf Platen hasse und sich mir alsFeind entgegenstelle; — und das war mir auf jeden Fall angenehmer,als hätte man mir nachgesagt, daß mich der Graf Platen als Freundhinter meinem Rücken liebe. Was die heiligen Männer betrifft,deren fromme Wut sich zu gleicher Zeit gegen mich kundgab, und nichtbloß meiner anticölibatischen Gedichte wegen, sondern auch wegen derpolitischen Annalen, die ich damals herausgab, so konnte ich ebenfallsnur gewinnen, wenn man deutlich sah, daß ich keiner der Ihrigen sei.Wenn ich hiermit andeute, daß man nichts Gutes von ihnen sagt,so sage ich darum noch nichts Böses von ihnen. Ich bin sogar derMeinung, daß sie nur aus Liebe zum Guten durch frommen Be-trug und gottgefällige Verleumdung das Wort der Bösen entkräftigenmöchten, und daß sie diesen nur für einen solchen edlen Zweck, derjedes Mittel heiligt, nicht bloß die geistigen Lebensquellen, sondernauch die materiellen zu verschütten suchen. Man hat jene gutenLeute, die sich in München sogar öffentlich als Kongregation präsen-tierten, thörichterweise mit dem Namen Jesuiten beehrt. Sie sindwahrlich keine Jesuiten, sonst hätten sie eingesehen, daß z. B. ich,einer von den Bösen, schlimmsten Falls die litterarisch alchimistischeKunst verstehe, aus meinen Feinden selbst Dukaten zu schlagen, der-gestalt, daß ich dabei die Dukaten bekomme und meine Feinde die