11» Reisebilder II,
leben. Die Grafschaft des Grafen liegt nämlich im Monde, von woer, wegen der schlechten Konnnnnikation mit Bayern, nach Gruithui-scns Berechnung erst in 20000 Jahren, wenn der Mond dieser Erdenäher kommt, seine ungeheuren Revenuen beziehen kann.
Schon früher hatte Don Platen de Colibrados Hallermünde beiBrockhaus in Leipzig eine Gedichtesammlnng mit einer Vorrede, be-titelt: „Lyrische Blätter, Nummer I" herausgegeben, die freilich nichtbekannt wurde, obgleich, wie er uns versicherte, die sieben Weisendem Verfasser ihr Lob gespendet. Später gab er, nach TieckschcmMuster, einige dramatisierte Märchen und Erzählungen heraus, dieebenfalls das Glück hatten, daß sie der unweisen großen Menge un-bekannt blieben, und nur von den sieben Weisen gelesen wurden.Indessen, um außer den sieben Weisen noch einige Leser zu gewinnen,legte sich der Graf auf Polemik und schrieb eine Satire gegen be-rühmte Schriftsteller, vornehmlich gegen Müllncr, der damals schonallgemein gehaßt und moralisch vernichtet war, so daß der Graf ebenzur rechten Zeit kam, um dem toten Hofrat Örindnr noch einenHauptstich, nicht inS Haupt, sondern, nach Fallstaffscher Weise, in dieWade zu versetzen. Der Widerwille gegen Müllncr hatte jedes edleHerz erfüllt; die Polemik des Grafen mißfiel daher nicht, und „dieverhängnisvolle Gabel" fand hier und da eine bereitwillige Aufnahme,nicht beim großen Publikum, sondern bei Litteratoren und bei deneigentlichen Schulleuten, bei letzteren hauptsächlich, weil jene Satirenicht mehr dein romantischen Tieck, sondern dem klassischen Aristv-phanes nachgeahmt war.
Ich glaube, es war um diese Zeit, daß der Herr Graf nachItalien reiste; er zweifelte nicht mehr, von seiner Poesie leben zukönnen, Cotta hatte die gewöhnliche prosaische Ehre, für Rechnungder Poesie das Geld herzugeben; denn die Poesie, die Himmelstochter,die Hochgeborene, hat selbst nie Geld und wendet sich bei solchemBedürfnis immer an Cotta, Der Graf versifizierle jetzt Tag undNacht, er blieb nicht bei dem Vorbilde Tiecks und des Äristophanes,sondern ahmte auch den Goethe nach im Liede, dann den Horaz inder Ode, dann den Petrarca in Sonetten, dann den Dichter Hafis inpersischen Ghasclen — kurz, er gab uns solchermaßen eine Blumcn-lcse der besten Dichter und zugleich seine eigenen „lyrischen Blätter"unter dem Titel: „Gedichte des Grafen Platen:c,"
Niemand in Deutschland ist gegen poetische Erzeugnisse billigerals ich, und ich gönne einem armen Menschen wie Platen seinStückchen Ruhm, das er im Schweiße seines Angesichts so sauer er-wirbt, gewiß herzlich gern. Keiner ist mehr geneigt als ich, seineBestrebungen zu rühmen, seinen Fleiß und seine Belesenheit in derPoesie zu loben, und seine silbenmttßigen Verdienste anzuerkennen.Meine eigenen Versuche befähigen mich" mehr als jeden andern, die