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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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108 Reisebilder II. '

ist; ein humoristischer Schriftsteller kann ihn nicht enthehren, und erselbst fühlt diese persönliche Wichtigkeit und Unentbehrlichkcit in sohohem Grade, daß er jede Gelegenheit ergreift, um humoristischenSchriftstellern Stoff zu Satire zu geben, daß er Tag und Nachtgrübelt, wie er sich als Staatsmann, Servilist, Dekan, Äntihegelianerund Patriot lächerlich machen kann, um somit die Litteratur, für dieer sich gleichsam aufopfert, thatkräftig zu befördern. Den deutschenUniversitäten muß man überhaupt nachrühmen, daß sie die deutschenSchriftsteller mehr als jede andere Zunft mit allerlei Narren ver-sorgen, nnd besonders Göttingen habe ich immer in dieser Hinsichtzu "schätzen gewußt. Dies ist auch der geheime Grund, weshalb ichmich für die Erhaltung der Universitäten erkläre, obgleich ich stetsGewerbefreiheit und Vernichtung des Zunftwesens gepredigt habe.Bei solchem fühlbaren Mangel an ausgezeichneten Narren kann maumir nicht genug danken, wenn ich neue aufs Tapet bringe nnd all-gemein bräuchbar mache. Zum besten der Litteratur will ich daherjetzt vom Grafen August von Platen-Hallermünde etwas ausführ-licher reden. Ich will dazu beitragen, daß er zweckmäßig bekanntund gewissermaßen berühmt werde, ich will ihn litterarisch gleichsamherausfüttern, wie die Irokesen thnn mit den Gefangenen, die sie beispäteren Festmahlen verspeisen wollen. Ich werde ganz treu ehrlichverfahren nnd überaus höflich, wie es einem Bürgerlichen ziemt, ichwerde das Materielle, das sogenannt Persönliche, nur insoweit be-rühren, als sich geistige Erscheinungen dadurch erklären lassen, undich werde immer ganz genau den Standpunkt, von wo aus ich ihnsah, nnd sogar manchmal die Brille, wodurch ich ihn sah, angeben.

Der Standpunkt, von Ivo ich den Grafen Platen zuerst gewahrte,war München, der Schauplatz seiner Bestrebungen, wo er bei allen,die ihn kennen, sehr berühmt ist, und wo er gewiß, solange er lebt,unsterblich sein wird. Die Brille, wodurch ich ihn sah, gehörte einigenInsassen Münchens, die über seine äußere Erscheinung dann nndwann in heiteren Stunden ein heiteres Wort hinwarfen. Ich habeihn selbst nie gesehen, und wenn ich mir seine Person denken Null,erinnere ich mich immer an die drollige Wut, womit einmal meinFreund, der Doktor Lantenbacher, über Pvetennarrheit im allgemeinenloszog, und insbesondere eines Grafen Platen erwähnte, der miteinem Lorbeerkranze auf dem Kopfe sich auf der öffentlichen Pro-menade zu Erlangen den Spaziergängern in den Weg stellte und,mit der bebrillten Nase gen Himmel starrend, in poetischer Begeiste-rung zu sein vorgab. Andere haben besser von dem armen Grafengesprochen, und beklagten nur seine beschränkten Mittel, die ihn beiseinem Ehrgeiz, sich wenigstens als ein Dichter auszuzeichnen, über Idie Gebühr zum Fleihe nötigten, und sie lobten besonders seine Zuvorkommenheit gegen jüngere, bei denen er die Bescheidenheit selbst