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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
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Die Bäder von Lucca. 107

Die Stimme des kleinen Menschen bebte, als er dieses erzählte,und feierlich zog er ein schon erwähntes Päckchen aus der Tasche,wickelte davon den schon verblichenen Rvsataffet, und zeigte mir denSchein, worin Christian Hinrich Klotz den richtigen Empfang derSO 000 Mark quittierte. Wenn ich sterbe — sprach Hyacinth, eineThräne im Auge — soll man mir diese Quittung mit ins Grablegen, und wenn ich einst dort am Tage des Gerichts Rechenschaftgeben mnß von meinen Thaten, dann werde ich mit dieser Quittungin der Hand vor den Stuhl der Allmacht treten, und wenn meinböser Engel die bösen Handlungen, die ich auf dieser Welt begangenhabe, vorgelesen, und mein guter Engel auch die Liste von meinenguten Handlungen ablesen will, dann sag' ich ruhig: Schweig! —ich will nur wissen, ist diese Quittung richtig? ist das die Handschriftvon Christian Hinrich Klotz? Dann kommt ein ganz kleiner Engelherangeflogen, und sagt, er kenne ganz genau Klötzchens Handschrift,und er erzählt zugleich die merkwürdige Geschichte von der Ehrlich-keit, die ich mal begangen habe. Der Schöpfer der Ewigkeit aber,der Allwissende, der alles weiß, erinnert sich an diese Geschichte, under lobt mich in Gegenwart von Sonne, Mond und Sternen, undberechnet gleich im Kopf, daß, wenn meine bösen Handlungen von50000 Mark Ehrlichkeit abgezogen werden, mir noch ein Saldo zugut kommt, und er sagt dann: Hirsch! ich ernenne dich zum Engelerster Klasse, und du darfst Flügel tragen mit rot und weißen Federn.

Kapitel xi.

Wer ist denn der Graf Platen, den wir im vorigen Kapitel alsDichter und warmen Freund kennen lernten? Ach, lieber Leser, dieseFrage las ich schon lange auf deinem Gesichte, und nur zauderndgehe ich an die Beantwortung. Das ist ja eben das Mißgeschickdeutscher Schriftsteller, daß sie jeden guten oder bösen Narren, densie aufs Tapet bringen, erst durch trockene Charakterschilderung undPersonalbeschreibung bekannt machen müssen, damit man erstens wisse,daß er existiert, und zweitens den Ort kenne, wo die Geißel ihntrifft, ob unten oder oben, vorn oder hinten. Anders war es beiden Alten, anders ist es noch jetzt bei neueren Völkern, z. B. denEngländern und Franzosen, die ein Volksleben und daher xudlioolmruotsrü haben. Wir Deutschen aber, wir haben zwar ein ganznärrisches Volk, aber wenig ausgezeichnete Narren, die bekannt genugwären, um sie als allgemein verständliche Charaktere in Prosa oderVersen gebrauchen zu können. Die wenigen Männer dieser Art, diewir besitzen, haben wirklich recht, wenn sie sich wichtig inachen. Siesind von unschätzbarem Werte und zu den höchsteil Ansprüchen be-rechtigt. So z. B. der Herr Geheimrath Schmalz, Professor derBerliner Universität, ist ein Maiin, der nicht mit Geld zu bezahlen