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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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103
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Die Bäder von Lucca. 103

des großen HaufcnS, er heilt uns von unserer Passion für dieWeiber, die uns so viel Unglück zuzieht — O Weiber! Weiber! wervon euren Fesseln befreit, der ist ein Wvhlthäter der Menschen. Esist ewig schade, daß Shakespeare sein eminentes theatralisches Talentnicht dazu benutzt hat, denn er soll, wie ich hier zuerst lese, nichtminder großartig gefühlt haben als der große Graf Platen, der inseinen Sonetten von Shakespeare sagt:

Nicht Mttdchenlannen störten deinen Schlummer,

Doch stets um Freundschaft sehn wir warm dich ringen:

Dein Freund errettet dich ans Weiberschlingen,

Und seine Schönheit ist dein Ruhm und Kummer.

Wahrend der Marchese diese Worte mit warmem Gefühl dekla-mierte, und der glatte Mist ihm gleichsam auf der Zunge schmolz,schnitt Hyacinth die widersprechendsten Gesichter, zugleich verdrießlichund beifällig, und endlich sprach er:

Herr Marchese, Sie sprechen wie ein Buch, auch die Verse gehenIhnen wieder so leicht ab wie diese Nacht, aber ihr Inhalt will mirnicht gefallen. Als Mann fühle ich mich geschmeichelt, daß der Grafvon Platen uns den Vorzug giebt vor den Weibern, und als Freundvon den Weibern bin ich wieder ein Gegner von solch einem Manne.So ist der Mensch! Der eine ißt gern Zwiebeln, der andere hatmehr Gefühl für warme Freundschaft, und ich als ehrlicher Mann,muß aufrichtig gestehen, ich esse gern Zwiebeln, und eine schiefeKöchin ist mir lieber, als der schönste Schönheitsfreund. Ja, ichmuß gestehen, ich sehe nicht so viel Schönes am männlichen Geschlecht,daß man sich darin verlieben sollte.

Diese letzteren Worte sprach Hyacinth, während er sich musterndim Spiegel betrachtete, der Marchese aber ließ sich nicht stören unddeklamierte weiter:

Der Hoffnung Schaumgebäude bricht zusammen,

Wir mühn uns, ach! und kommen nicht zusammen;

Mein Name klingt auS deinem Mund melodisch,

Doch reihst du selten dies Gedicht zusammen;

Wie Sonn' und Mond uns stets getrennt zu halten,Verschworen Sitte sich und Pflicht zusammen,

Laß Haupt an Haupt uns lehnen, denn es taugenDein dunkles Haar, mein hell Gesicht zusammen!

Doch ach! ich träume, denn du ziehst von hinnen,

Eh' noch das Glück uns brachte dicht zusammen!

Die Seelen bluten, da getrennt die Leiber.

O wären's Blumen, die man flicht zusammen!

Eine komische Poesie! — rief Hyacinth, der die Reime nach-mnrmclte: — Sitte sich und Pflicht zusammen, Gesicht zusammen,