Die Bäder von Lucca. 9?
die Crelinger, aber die Muller, als sie den Becher austrank, hatmich hingerissen. Sehen Sie — sprach er, indem er mit tragischerGebärde das Glas, worin Hyacinth das Pnlver geschüttet, znr Handnahm — sehen Sie, so hielt sie den Becher und schauderte, daß manalles mitfühlte, wenn sie sagte:
Kalt rieselt matter Schau'r durch meine Adern,
Der fast die Lebenswärm' erstarren macht!
lind so stand sie, wie ich jetzt stehe, und hielt den Becher an dieLippen, und bei den Worten:
Weile, Tybnlt!
Ich komme, Romeo! Dies trink' ich dir!
da leerte sie den Becher —
Wohl bekomme es Ihnen, Herr Gumpcl! sprach Hyacinth mitfeierlichem Tone; denn der Marchese hatte in nachahmender Be-geisterung das Glas ausgetrunken, und sich, erschöpft von der Dekla-mation, auf das Sofa hingeworfen.
Er verharrte jedoch nicht lange in dieser Lage; denn es klopfteplötzlich jemand an die Thüre, und herein trat Lady Maxfieldskleiner Jockey, der dem Marchese mit lächelnder Verbeugung einBillet überreichte und sich gleich wieder empfahl. Hastig erbrach jenerdas Billet; während er es las, leuchteten Nase und Augen vor Ent-zücken, jedoch plötzlich überflog eine Geistcrblässe sein ganzes Gesicht,Bestürzung zuckte in jeder Muskel, mit Verzweiflungsgcbnrdcn spranger auf, lachte grimmig, rannte im Zimmer umher, und schrie:
Weh mir, ich Narr des Glücks!
Was ist? Was ist? frng Hyacinth mit zitternder Stimme,und indem er krampfhaft daS Kruzifix, woran er wieder Putzte, inzitternden Händen hielt — Werden nur diese Nacht überfallen?
Was ist Ihnen, Herr Marchese? frug ich ebenfalls nicht wenigerstaunt.
Lest! lest! rief Gumpelinv, indem er uns das empfangene Billethinwarf, und immer noch verzweiflungsvoll im Zimmer umhcrrannte,wobei sein blauer Domino ihn wie eine Stnrmwolke umflatterte —Weh mir, ich Narr des Glücks!
In dem Billet aber lasen wir folgende Worte:
Süßer Gumpelinv! Sobald es tagt, muß ich nach Englandabreisen. Mein Schwager ist indessen schon vorangeeilt und erwartetmich in Florenz. Ich bin jetzt unbeobachtet, aber leider nur dieseeinzige Nacht — Laß uns diese benutzen, laß uns den Nektarkclch,den uns die Liebe kredenzt, bis auf den letzten Tropfen leeren. Ichharre, ich zittere — Julia Maxficld.
Weh mir, ich Narr des Glücks! jammerte Gumpelinv — dieHcnie'S Werke. VI. Vd. 7