Die Bader von Lncca. 89
beste Stück stritten, und sich die Kronen vom Kopf rissen, und schrieennnd weinten, und einige sich sogar — —
Kapitel IX,
Es giebt nichts Langweiligeres auf dieser Erde als die Lektüreeiner italienischen Reiscbeschreibung — ausser etwa das Schreibenderselben, — und nur dadurch kann der Verfasser sie einigermaßenerträglich machen, daß er von Italien selbst so wenig als möglichdarin redet. Trotzdem daß ich diesen Kunstgriff vollauf anwende,kann ich dir, lieber Leser, in den nächsten Kapiteln nicht viel Unter-haltung versprechen. Wenn du dich bei dem ennuyanten Zeug, dasdarin vorkommen wird, langweilst, so tröste dich mit mir, der alldieses Zeug sogar schreiben mußte. Ich rate dir, überschlage dannund wann einige Seiten, dann kommst du mit dem Buche schnellerzu Ende —> ach, ich wollt', ich könnte es ebenso machen! Glaub'nur nicht, ich scherze; wenn ich dir ganz ernsthaft meine Herzens-meinnng über dieses Buch gestehen soll, so rate ich dir, es jetzt zuzu-schlagen, nnd gar nicht weiter darin zu lesen. Ich will dir nächstensetwas Besseres schreiben, und wenn wir in einem folgenden Buche,in der Stadt Lncca, wieder mit Mathilden und Franceska zusammen-treffen, so sollen dich die lieben Bilder viel anmutiger ergötzen, alsgegenwärtiges Kapitel und gar die folgenden.
Gottlob! vor ineinen Fenstern erklingt ein Leierkasten mit lustigenMelodien! Mein trüber Kopf bedarf solcher Aufheiterung, besondersda ich jetzt meinen Besuch bei Seiner Excellenz, dem Marchese Cristoforvdi Gumpelino zu beschreiben habe. Ich will diese rührende Geschichteganz genau, wörtlich treu, in ihrer schmutzigsten Reinheit mitteilen.
Es war schon spät, als ich die Wohnung des Marchese erreichte.Als ich ins Zimmer trat, stand Hyacinth allein, und putzte diegoldenen Sporen seines Herrn, welcher, wie ich durch die halbgeöffneteThüre seines Schlaskabinetts sehen konnte, vor einer Madonna undeinem großen Kruzifixe auf den Kniecn lag.
Du mußt nämlich wissen, lieber Leser, daß der Marchese, dieservornehme Mann, jetzt ein guter Katholik ist, daß er die Ceremoniender alleinseligmachenden Kirche streng anSübt, und sich, wenn er inRom ist, sogar einen eigenen Kaplan hält, aus demselben Grunde,weshalb er in England die besten Wcttrenner und in Paris dieschönste Tänzerin unterhielt.
Herr Gnmpel verrichtet jetzt sein Gebet — flüsterte Hyacinth miteinem wichtigen Lächeln, nnd indem er nach dem Kabinette seinesHerrn deutete, fügte er noch leiser hinzu: So liegt er alle Abendzwei Stunden auf den Knieen vor der Prima Donna mit demJesuskind. Es ist ein prächtiges Kunstbild, und es kostet ihm sechs-hundert Franceskvnis.