Die Bäder von Lucca. 87
Denn wer soll nachher zu Hanse erzählen, wieviel Ehre und Bildunger in der Fremde genossen? lind, soll ich die Wahrheit sagen, ichselbst fang' an, viel ans Bildung zu geben. In Hamburg Hab' ichsie gottlob! nicht nötig; aber man kann nicht wissen, man kommteinmal nach einem andern Ort, Es ist eine ganz andere Welt jetzt,lind man hat recht: so ein bißchen Bildung ziert den ganzen Menschen,Und welche Ehre hat man davon! Lady Mnxfield zum Beispiel, wiehat sie mich diesen Mvrgen aufgenommen und honoriert! Ganzparallel wie ihresgleichen. Und sie gab mir einen Franceskoni Trink-geld, obschon die Blume nur fünf Paoli gekostet hat. Außerdem istes auch ein Vergnügen, wenn man den kleinen, weißen Fuß vonschönen Damcnpersoncn in Händen hat.
Ich war nicht wenig betreten über diese letzte Bemerkung, unddachte gleich: Ist das Stichelei? Wie konnte aber der Lump schonKenntnis haben von dem Glücke, das mir erst denselben Tag be-gegnet, zu derselben Zeit, als er auf der entgegengesetzten Seite desBergs war? Gab's dort etwa eine ähnliche Scene, und offenbartesich daran die Ironie des großen Weltbühncndichters da droben, daßer vielleicht noch tausend solcher Scenen, die gleichzeitig eine die andereparodieren, zum Vergnügen der himmlischen Heerscharen aufführenließ? Indessen beide Vermutungen waren ungegriindct, denn nachlangen wiederholten Fragen, und nachdem ich das Versprechen ge-leistet, dem Marchese nichts zu verraten, gestand mir der arme Mensch,Lady Maxfield habe noch zu Bette gelegen, als er ihr die Tulpeüberreicht; in dem Augenblick, wo er seine schöne Anrede haltenwollte, sei einer ihrer Füße nackt zum Vorschein gekommen, und daer Hühneraugen daran bemerkt, habe er gleich um die Erlaubnisgebeten, sie ausschneiden zu dürfen, welches auch gestattet und nach-her, zugleich für die Überreichung der Tulpe, mit einem FranceSkvnibelohnt worden sei.
Es ist mir aber immer nur um die Ehre zu thun — setzteHyacinth hinzu — uud das habe ich auch dem Baron Rothschild ge-sagt, als ich die Ehre hatte, ihm die Hühneraugen zu schneiden. Esgeschah in seinem Kabinett; er saß dabei auf seinem grünen Sesselwie auf einem Thron, sprach wie ein König, um ihn herum standenseine Courticrs, und er gab seine Ordres, und schickte Stafetten analle Könige; und wie ich ihm währenddessen die Hühneraugen schnitt,dacht' ich im Herzen: Du hast jetzt in Händen den Fuß des Mannes,der selbst jetzt die ganze Welt in Händen hat, du bist jetzt ebenfallsein wichtiger Mensch; schneidest du ihn unten ein bißchen zu scharf,so wird er verdrießlich, und schneidet oben die größten Könige nochärger — Es war der glücklichste Moment meines Lebens!
Ich kann mir dieses schöne Gefühl vorstellen, Herr Hyacinth,Welchen aber von der Rothschildschen Dynastie haben Sic solchermaßen