84 Neisebilder II.
triebcnsten Ausdrücken priesen. Auch Signora Franceska stimmteein in diesen Lobgesang, doch gestand sie, seine Nase sei etwas be-ängstigend und erinnere sie immer an den Turm von Pisa.
Beim Abschied bat ich sie wieder um die Vergünstigung, ihrenlinken Fuß küssen zu dürfen; worauf sie mit lächelndem Ernst denroten Schuh auSzog, sowie auch den Strumpf; und indem ich nieder-kniete, reichte sie mir den weißen, blühenden Lilienfuß, den ich viel-leicht gläubiger an die Lippen Preßte, als ich es mit dem Fuß desPapstes gethan haben möchte. Wie sich von selbst versteht, machteich auch die Kammerjungfer, und half den Strumpf und den Schuhwieder anziehen.
Ich bin mit Ihnen zufrieden, — sagte Signora Franceska nachverrichtetem Geschäfte, wobei ich mich nicht zu sehr übereilte, obgleichich alle zehn Finger in Thätigkeit setzte, — ich bin mit Ihnen zu-frieden, Sie sollen mir noch öfter die Strümpfe anziehen. Heutehaben Sie den linken Fuß geküßt, morgen soll Ihnen der rechte zuGebote stehen. Übermorgen dürfen Sie mir schon die linke Handküssen, und einen Tag nachher auch die rechte. Fuhren Sie sich gutans, so reiche ich Ihnen späterhin den Mund, u. s. w. Sie sehen,ich will Sie gern avancieren lassen, und da Sie jung sind, könnenSie es in der Welt noch weit bringen.
Und ich habe es weit gebracht in dieser Welt! Des seid mirZeugen, toskanische Nächte, du hellblauer Himmel mit großen silbernenSternen, ihr wilden Lorbeerbüsche und heimlichen Myrten, und ihr,o Nymphen des Apennins, die ihr mit bräutlichen Tänzen uns um-schwebtet, und euch zurückträumtet in jene besseren Götterzeiten, woes noch keine gotische Lüge gab, die nur blinde, tappende Genüsseim verborgenen erlaubt und jedem freien Gefühl ihr heuchlerischesFeigcnblättchcn vorklebt.
Es bedurfte keiner besonderen Feigenblätter; denn ein ganzerFeigenbaum mit vollen ausgebreiteten Zweigen rauschte über denHäuptern der Glücklichen.
Kapitel vn.
Was Prügel sind, das weiß man schon; was aber die Liebe ist,das hat noch keiner herausgebracht. Einige Natnrphilosophen habenbehauptet, es sei eine Art Elektricität. Das ist möglich; denn imMomente des Verliebens ist uns zu Mute, als habe ein elektrischerStrahl aus dem Auge der Geliebten plötzlich in unser Herz ein-geschlagen. Ach! diese Blitze sind die verderblichsten, und wer gegendiese einen Ableiter findet, den will ich höher achten als Franklin.Gäbe es doch kleine Blitzableiter, die man auf dem Herzen tragenkönnte, und woran eine Wctterstange wäre, die das schreckliche Feueranderswo hinznleiten vermöchte! Ich fürchte aber, dem kleinen Amor