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Profession ist. Er diente der Signvra als ein stnmmcr Ritter, undnur dann und wann wußte er das Gedicht rccitieren, das er ihrvor fünfundzwanzig Jahren aufS Theater geworfen, als sie zuerstin Bologna in der Rolle der Ariadnc auftrat. Er selbst mag zujener Zeit wohlbclaubt und glühend gewesen sein, vielleicht ähnlichdem heiligen Dionysos selbst, und seine Lntizia-Ariadue stürzte ihmgewiß bacchantisch in die blühenden Arme — Evve Bacchc! Erdichtete damals noch viele LiebeSgedichte, die, wie schon erwähnt, sichin der italienischen Litteratur erhalten haben, nachdem der Dichterund die Geliebte selbst schon längst zu Makulatur geworden.
Fünfundzwanzig Jahre hat sich seine Treue bereits bewährt, undich denke, er wird auch bis an sein seliges Ende auf dem Schemelsitzen, und ans Verlangen seine Verse rccitieren oder den Spucknapfreichen. Der Pwstsstw der Jurisprudenz schleppt sich fast ebensolangeschon in den Liebesfesseln der Signora, er macht ihr noch immer soeifrig die Cour wie im Anfang dieses Jahrhunderts, er muß nochimmer seine akademischen Vorlesungen unbarmherzig vertagen, wennsie seine Begleitung nach irgend einem Orte verlangt, und er istnoch immer belastet mit allen Servituten eines echten Patito,
Die treue Ausdauer dieser beiden Anbeter einer längst ruiniertenSchönheit mag vielleicht Gewohnheit sein, vielleicht Pietas gegenfrühere Gefühle, vielleicht nur das Gefühl selbst, das sich von derjetzigen Beschaffenheit seines ehemaligen Gegenstandes ganz unabhängiggemacht hat, und diesen nur noch mit den Augen der Erinnerungbetrachtet. So sehen wir oft alte Leute an einer Straßenecke inkatholischen Städten vor einem Madonnenbilde knieeu, das so ver-blaßt und verwittert ist, daß nur noch wenige Spuren und Gesichts-umrisse davon übrig geblieben sind, ja daß man dort vielleicht nichtsmehr sieht als die Nische, worin es gemalt stand, und die Lampe,die etwa noch darüber hängt; aber die alten Leute, die mit demRosenkranz in den zitternden Händen dort so andächtig knicen, habenschon seit ihren Jugendjahren dort gekniet, Gewohnheit treibt sieimmer um dieselbe Stunde zu demselben Fleck, sie merkten nicht dasErlöschen des geliebten Heiligenbildes, und am Ende macht das Alterja doch so schwachsichtig und blind, daß es ganz gleichgültig sein mag,ob der Gegenstand unserer Anbetung überhaupt noch sichtbar ist odernicht. Die da glauben, ohne zu sehen, sind auf jeden Fall glücklicherals die Scharfäugigen, die jede hervorbliihende Runzel auf dem Antlitzihrer Madonnen gleich bemerken. Nichts ist schrecklicher als solcheBemerkungen! Einst freilich glaubte ich, die Treulosigkeit der Frauensei das Schrecklichste, und, um dann das Schrecklichste zu sagen, nannteich sie Schlangen, Aber ach! jetzt weiß ich, das Schrecklichste ist, daßsie nicht ganz Schlangen sind; denn die Schlangen können jedes Jahrdie alte Haut von sich abstreifen und neugebäntet sich verjüngen.