Die Beider von Lnecci, 75
Herzen, So ein armer, alter Dichter mit seiner kahlen Hvlzcrnhcitgleicht den Weinstöcken, die wir im Winter auf den kalten Bergenstehen sehen, dürr und laublos, im Winde zitternd und von Schneebedeckt, während der süße Most, der ihnen einst entquoll, in denfernsten Landen gar manches Zecherherz erwärmt und zn ihremLobe berauscht. Wer weiß, wenn einst die Kelter der Gedanken, dieDruckcrpresse, auch mich ausgepreßt hat, und nur noch im VerlagS-keller von Hoffmann und Campe der alte, abgezapfte Geist zu findenist, sitze ich selbst vielleicht ebenso dünn und kümmerlich, wie derarme Bartolo, ans dem Schemel neben dem Bette einer alten Jna-moratn, und reiche ihr auf Verlangen den Napf des SpnckeS,
Signora Latizia entschuldigte sich bei mir, daß sie zu Bette liegeund zwar bäuchlings, indem ein Geschwür an der Legitimität, dassie sich durch vieles Feigenessen zugezogen, sie jetzt hindere, wie eseiner ordentlichen Frau zieme, auf dem Rücken zu liegen. Sie lagwirklich ungefähr wie eine Sphinx; ihr hochfrisicrtes Haar stemmtesie auf ihre beiden Arme, und zwischen diesen wogte ihr Busen wieein rotes Meer,
Sie sind ein Deutscher? frug sie mich.
Ich bin zu ehrlich, es zu leuguen, Signora! entgegnete meineWenigkeit.
Äch, ehrlich genug sind die Deutschen! — seufzte sie — aberwas Hilst es, daß die Leute ehrlich sind, die uns berauben! sie richtenItalien zu Grunde, Meine besten Freunde sitzen eingekerkert inMilano; nur Sklaverei —
Nein, nein, rief der Marchese, beklagen Sie sich nicht über dieDeutschen, wir sind überwundene llberwindcr, besiegte Sieger, so-bald wir nach Italien kommen; und Sie sehen, Signora, Sie sehenund Ihnen zu Füßen fallen, ist dasselbe — Und indem er seingelbscidenes Taschentuch ausbreitete und darauf niederkniete, setzte erhinzu: Hier kniee ich und huldige Ihnen im Namen von ganzDeutschland.
Cristvforo di Gumpelino! seufzte Signora tiefgerührt undschmachtend — Stehen Sic auf und umarmen Sie mich!
Damit aber der holde Schäfer nicht die Frisur und die Schminkeseiner Geliebten verdürbe, küßte sie ihn nicht auf die glühendenLippen, sondern auf die glühende Stirne, so daß sein Gesicht tieferhinabreichte, und das Steuer desselben, die Nase, im roten Meerehcrumruderte,
Signor Bartolo! rief ich, erlauben Sie mir, daß auch ich michdes Spucknapfes bediene.
Wehmütig lächelte Signor Bartolo, sprach aber kein einzigesWort, obgleich er nächst Mczzofanti, für den besten Sprachlehrer inBologna" gilt. Wir sprechen nicht gern, wenn Sprechen unsere