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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
66
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(Z6 Rcisebilder II.

Ich trieb mein gewöhnliches Geschäft, Mylady; ich rollte wiederden großen Stein. Wenn ich ihn bis zur Hälfte des Berges ge-bracht, dann rollte er plötzlich hinunter, und ich mußte wieder suchen,ihn hinaufzurollcn und dieses Bergauf- und Bergabrollen wirdsich so lange wiederholen, bis ich selbst unter dem großen Steineliegen bleibe, und Meister Steinmetz mit großen Buchstaben daraufschreibt: Hier ruht in Gott

Beileibe, Doktor, ich lasse Ihnen noch keine Ruhe Seien Sienur nicht melancholisch! Lachen Sie, oder ich

Nein, kitzeln Sie nicht! ich will lieber von selbst lachen.

So recht. Sie gefallen mir noch, ebensogut wie in Rainsgate,wo wir uns zuerst nahe kamen.

Und endlich noch näher als nah. Ja, ich will lustig sein. Es istgut, daß wir uns wiedergefunden, und der große deutsche wird sichwieder ein Vergnügen daraus machen, sein Leben bei Ihnen zu wagen.

Mhladys Augen lachten wie Sonnenschein nach leisem Regen-schauer, und ihre gute Laune brach wieder leuchtend hervor, als Johnhereintrat, und mit dem steifsten Lakaien-Pathos Seine Exccllenz denMnrchese Cristvfvro di Gumpeliuo anmeldete.

Er sei willkommen! Und Sie, Doktor, werden einen Pair unseresNarrenreiches kennen lernen. Stoßen Sie sich nicht an sein Äußeres,besonders nicht an seine Nase. Der Mann besitzt vortreffliche Eigen-schaften, z. B. viel Geld, gesunden Verstand, und die Sucht, alleNarrheiten der Zeit in sich aufzunehmen; dazu ist er in meine grün-äugige Freundin Julie Maxfield verliebt und nennt sie seine Juliaund sich ihren Romeo, und deklamiert und seufzt und Lord Max-field, der Schwager, dem die treue Julia von ihrem Manne anver-traut worden, ist ein Argus

Schon wollte ich bemerken, daß ArguS eine Kuh bewachte, alsdie Thüre sich weit öffnete, und zu meinem höchsten Erstaunen meinalter Freund, der Bankier Christian Gumpel mit seinem wohlhaben-den Lächeln und gottgefälligen Bauche hereinwatschelte. Nachdemseine glänzenden breiten Lippen sich an Mhladys Hand genugsamgescheuert und übliche Gesuudheitsfragen hervorgebrockt hatten, er-kannte er auch mich und in die Arme sanken sich die Freunde.

Kapitel II.

Mnthildens Warnung, daß ich mich an die Nase des MauneSnicht stoßen solle, war hinlänglich begründet, und wenig fehlte, sohätte er mir wirklich ein Auge damit ausgestochen. Ich will nichtsSchlimmes von dieser Nase sagen; im Gegenteil, sie war von deredelsten Form, und sie eben berechtigte meinen Freund, sich wenig-sten? einen Marchese-Titel beizulegen. Man konnte es ihm nämlichan der Nase ansehen, daß er von gutem Adel war, daß er von einer