Die Bäder von Lnccä. K7
uralten Wcltfamilic abstamiute, womit sich sogar einst der liebe Gott,ohne Furcht vor Mesalliance, verschwägert hat. Seitdem ist dieseFamilie freilich etwas heruntergekommen, so daß sie seit Karl demGroßen meistens durch den Handel mit alten Hosen und HamburgerLvtteriezettcln ihre Snbsistenz erwerben mußte, ohne jedoch im min-desten von ihrem Ahnenstölze abzulassen oder jemals die Hoffnungaufzugeben, einst wieder ihre alten Güter oder wenigstens hinreichendeEmigranten-Entschädigung zu erhalten, wenn ihr alter legitimerSouverän sein Restaurationsversprechen erfüllt, ein Versprechen, wo-mit er sie schon zwei Jahrtausende an der Nase herumgeführt. Sindvielleicht ihre Nasen eben durch dieses lange au der Nase Herum-geführtwerden so lang geworden? Oder sind diese langen Nasen eineArt Uniform, woran der Gottkönig Jehovah seine alten Leibgardistenerkennt, selbst wenn sie desertiert sind? Der Marchese Gumpelino warein solcher Deserteur, aber er trug noch immer seine Uniform, undsie war sehr brillant, besäet mit Kreuzchen und Sternchen von Ru-binen, einem roten Adlerorden in Miniatur, und andern Dekorationen.
Sehen Sie, sagte Myladh, das ist meine Lieblingsnase, und ichkenne keine schönere Blume auf dieser Erde.
Diese Blume, schmunzlächelte Gumpelino, kann ich Ihnen nichtan den schönen Busen legen, ohne daß ich mein blühendes Antlitzhinzulege, und diese Beilage würde Sie vielleicht in der heutigenHitze etwas genieren. Aber ich bringe Ihnen eine nicht minder köst-liche Blume, die hier selten ist —
Bei diesen Worten öffnete der Marchese die fließpapierne Tüte,die er nutgebracht, und mit langsamer Sorgfalt zog er daraus her-vor eine wunderschöne Tulpe.
Kaum erblickte Myladh diese Blume, so schrie sie aus vollemHalse: Morden! morden! wollen Sie mich morden? Fort, fort mitdein schrecklichen Anblick! Dabei gebürdete sie sich, als wolle mau sieumbringen, hielt sich die Hände vor die Augen, rannte unsinnig imZimmer umher, verwünschte Gumpelinos Nase und Tulpe, klingelte,stampfte den Boden, schlug den Hund mit der Reitgerte, daß er lautaufbellte, und als John hereintrat, rief sie, wie Kean als König Richard:
Ein Pferd! ein Pferd!
Ein Königtum für ein Pferd!
und stürmte, wie ein Wirbelwind, von dannen.
Eine kuriose Frau! sprach Gumpelino, vor Erstaunen bewegungs-los und noch immer die Tulpe in der Hand haltend, so daß ereinem jener Götzenbilder glich, die, mit Lotosblumen in den Händen,auf altiudischen Denkmälern zu schauen sind. Ich aber kannte dieDame und ihre Idiosynkrasie weit besser, mich ergötzte dieses Schau-spiel über alle Maße», ich öffnete das Fenster und rief: Myladh,
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