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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
61
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Reise von München nach Genna.

um Mitternacht, zauberkrästig sind die Leiber, tranmrichtig gezeichnet,gewaltsam wahr, nnr das Blnt fehlt ihnen, das pulsierende Leben,die Farbe. Ja, Cornelius ist ein Schöpfer, doch betrachten wir seineGeschöpfe, so will es nnS bcdünken, als könnten sie alle nicht langeleben, als seien sie alle eine Stunde vor ihrem Tode gemalt, alstrügen sie alle die wehmütige Ahnung des Sterbens. Trotz ihrerHeiterkeit erregen die Gestalten des Rubens ein ahnliches Gefühl inunserer Seele, diese scheinen ebenfalls den Todeskeim in sich zu tra-gen, und es ist uns, als müßten sie eben durch ihre Lebcnsübcrfülle,durch ihre rote Vollblütigkeit, plötzlich vom Schlage gerührt werden.Das ist sie vielleicht, die geheime Verwandtschaft, die wir in der Ver-gleichnng beider Meister so wnndcrsam ahnen. Die höchste Lust ineinigen Bildern des Rubens und der tiefste Trübsinn in denen desCornelius erregen in uns vielleicht dasselbe Gefühl. Woher aberdieser Trübsinn bei einem Niederländer? Es ist vielleicht eben dasschaurige Bewußtsein, daß er einer längst verklnngenen Zeit angehörtund sein Leben eine mystische Nnchsendnng ist denn ach! er istnicht bloß der einzige große Maler, der jetzt lebt, sondern vielleichtauch der letzte, der ans dieser Erde malen wird; vor ihm, bis zurZeit der Cnraccis, ist ein langes Dunkel, und hinter ihm schlagenwieder die Schatten zusammen, seine Hand ist eine lichte, einsameGeisterhand in der Nacht der Kunst, und die Bilder, die sie malt,tragen die unheimliche Traner solcher ernsten, schroffen. Abgeschieden-heit. Ich habe diese letzte Malerhand nie ohne geheimen Schauerbetrachten können, wenn ich den Mann selbst sah, den kleinen scharfenMann mit den heißen Angein und doch wieder erregte diese Handin mir das Gefühl der traulichsten Pietät, da ich mich erinnerte, daßsie mir einst liebreich auf den kleinen Fingern lag, und mir einigeGcsiclMkontnren ziehen half, als ich, ein kleines Bübchen, auf derAkademie zu Düsseldorf zeichnen lernte.

Kapitel xxxiv.

Die Sammlung von Porträts schöner Genueserinnen, die imPalast Dnrazzo gezeigt wird, darf ich nimmermehr unerwähnt lassen.Nichts auf der Welt kann nnscrc Seele trauriger stimmen, als solcherAnblick von Porträts schöner Frauen, die schon seit einigen Jahr-hunderten tot sind. Melancholisch überkriccht uns der Gedanke, daßvon den Originalen jener Bilder, von all jenen Schönen, die so lieb-lich, so kokett, sv witzig, sv schalkhaft und sv schwärmerisch waren,von all jenen Mniköpfchcn mit Aprillannen, von jenem ganzenFrauenfriihling nichts übrig geblieben ist als diese bunten Schatten,die ein Maler, der gleich ihnen längst vermodert ist, auf ein morschStückchen Leinwand gepinselt hat, das ebenfalls mit der Zeit in Staubzerfällt und verweht. Sv geht alles Leben, das Schöne ebenso wie