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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
62
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Reisebildcr 11.

daS Häßliche, spurlos vorüber, der Tod, der dürre Pedant, verschontdie Rose ebensowenig wie die Distel, er vergißt auch nicht das ein-same Httlmchen in der fernsten Wildnis, er zerstört gründlich undunaufhörlich, und überall sehen nur, wie er Pflanzen und Tiere, dieMenschen und ihre Werte, zu Staub zerstampft, und selbst jeneägyptischen Pyramiden, die seiner Zerstörungswut zu trotzen scheinen,sie sind nur Trophäen seiner Macht, Denkmäler der Vergänglichkeit,uralte Königsgräbcr.

Aber noch schlimmer als dieses Gefühl eines ewigen Sterbens,einer öden gähnenden Vernichtung, ergreift uns der Gedanke, daßwir nicht einmal als Originale dahinsterben, sondern als Kopien vonlängst verschollenen Menschen, die geistig und körperlich uns gleichwaren, und daß nach uns wieder Menschen geboren werden, diewieder ganz aussehen und fühlen und denken werden wie wir, unddie der Tod ebenfalls wieder vernichten wird ein trostlos ewigesWiederholungsspiel, wobei die zeugende Erde beständig hervorbringenund mehr hervorbringen muß, als der Tod zu zerstören vermag, sodaß sie, in solcher Not, mehr für die Erhaltung der Gattungen alsfür die Originalität der Individuen sorgen kann.

Wunderbar erfaßten mich die mystischen Schauer dieses Gedankens,als ich im Palast Dnrazzo die Porträts der schönen Genuesen»»«!-sah, und unter diesen ein Bild, das in meiner Seele einen süßenSturm erregte, wovon mir noch jetzt, wenn ich daran denke, dieAugenwimpern zittern Es war das Bild der toten Maria.

Der Aufseher der Galerie meinte zwar, das Bild stelle eineHerzogin von Genua vor, und im ciccrvneschcn Tone setzte er Hinz»!Es ist gemalt von Giorgio Barbarelli del Castelfranco de Trcvigiano,genannt Giorgione, er war einer der größten Maler der vcnetinnischcnSchule, wurde geboren im Jähre 1477 und starb im Jahre 1511.

Lassen Sie das gut sein, Signor Cnstode. Das Bild ist gutgetroffen, mag es immerhin ein paar Jahrhunderte im voraus ge-malt sein, das ist kein Fehler. Zeichnung richtig, Farbengcbnngvorzüglich, Faltenwurf des Brnstgewandes ganz vortrefflich. HabenSie doch die Güte, das Bild für einige Augenblicke von der Wandhcrabznnehincn, ich will nur den Staub von den Lippen abblasenund auch die Spinne, die in der Ecke des RahmcnS sitzt, fortscheuchen Maria hatte immer einen Abscheu vor Spinnen.

Excellenza scheinen ein Kenner zn sein.

Daß ich nicht wüßte, Signor Cnstode. Ich habe das Talent,bei manchen Bildern sehr gerührt zu werden, und es wird mir dannetwas feucht in den Angen. Aber was sehe ich! von wem ist dasPorträt des Mannes im schwarzen Mantel, das dort hängt?

Es ist ebenfalls von Giorgione, ein Meisterstück.

Ich bitte Sie^ Signor, haben Sie doch die Giite, eS ebenfalls