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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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6l) Ncisebilder 77.

genannt Strada nnova und Balbi. Der Palast Durazzo ist dermerkivürdigste. Hier sind gute Bilder, und darunter Paul VervnesesChristus, dem Magdalena die gewaschenen Füße abtrocknet. Dieseist sv schön, daß man fürchten sollte, sie werde gewiß noch einmalverführt werden. Ich stand lange vor ihr ach, sie schaute nichtans! Christus steht da wie ein Religivns-Hamlct: Llo to a, nunnsrz-!Hier fand ich auch einige Holländer und vorzügliche Bilder von Ru-bens; letztere ganz durchdrungen von der ganz kolossalen Heiterkeitdieses niederländischen Titanen, dessen Geistesflügel so stark waren,daß er bis zur Sonne emporflog, obgleich hundert Zentner holländi-scher Käse an seinen Beinen hingen. Ich kann an dem kleinsten Bildedieses großen Malers nicht vorübergehen, ohne den Zoll meiner Be-wunderung zu entrichten. Um so mehr, da es jetzt Mode wird, ihnob seines Mangels an Idealität nur mit Achselzucken zu betrachten.Die historische Schule in München zeigt sich besonders groß in solcherBetrachtung. Man sehe nur, mit welcher vornehmen Geringschätzungder langhaarige Cornelianer durch den Rubenssaal wandelt! Viel-leicht aber ist der Irrtum der Jünger erklärlich, wenn man dengroßen Gegensatz betrachtet, den Peter Cornelius zu Peter PaulRubens bildet. Es läßt sich fast kein größerer Gegensatz ersinnenund nichtsdestoweniger ist mir bisweilen zu Sinn, als hätten beidedennoch Ähnlichkeiten, die ich mehr ahnen als anschauen könne.Vielleicht sind landsmannschaftliche Eigenheiten in ihnen verborgen,die den dritten Landsmann, nämlich mich, wie leise heimische Lauteansprechen. Diese geheime Verwandtschaft besteht aber nimmermehrin der niederländischen Heiterkeit und Farbenlust, die uns aus allenBildern des Rubens entgcgenlacht, so daß man meinen sollte, er habesie im freudigen Rheinweinrausch gemalt, während tanzende Kirmes-musik um ihn her jubelte. Wahrlich, die Bilder des Corneliusscheinen eher am Karfreitage gemalt zu sein, während die schwer-mütigen Leidenslieder der Prozession durch die Straßen zogen undim Atelier und. Herzen des Malers wiederhallten. In der Produk-tivität, in der Schöpfungskühnheit, in der genialen Ursprünglichkeitsind sich beide ähnlicher, beide sind geborene Maler, und gehören zudem Chklus großer Meister, die größtenteils zur Zeit des Raphaelblühten, einer Zeit, die auf Rubens noch ihren unmittelbaren Ein-fluß üben konnte, die aber von der unsrigen sv abgeschieden ist, daßwir ob der Erscheinung des Peter Cornelius fast erschrecken, daß eruns manchmal vorkommt wie der Geist eines jener großen Maleraus raphaelischer Zeit, der ans dein Grabe hervorsteche, nm nocheinige Bilder zu malen, ein toter Schöpfer, selbstbcschworen durchdas mitbegrabene, inwohnende LebcnSwort. Betrachten wir seineBilder, so sehen sie uns an wie mit Augen des fünfzehnten Jahr-hunderts, gespenstisch sind die Gewänder, als rauschten sie uns vorbei