Druckschrift 
6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

64 Reiselnlbcr 71.

tiefsten erbittert, sie haben die Gleichheit zu erzwingen gesucht, indemsie die Häupter derjenigen, die durchaus hervorragen wollten, gelindeabschnitten, und die Revolution ward ein Signal für den Bcfrewngs-krieg der Menschheit.

Laßt uns die Franzosen preisen! sie sorgten für die zwei größtenBedürfnisse der menschlichen Gesellschaft, für gutes Essen und 'bürger-liche Gleichheit, in der Kochkunst und in der Freiheit haben sie'diegrößten Fortschritte gemacht, und wenn wir einst alle als gleiche Gästedas große Ncrsvhnungsmahl halten und guter Dinge sind — dennwaS gäbe es Besseres als eine Gesellschaft von Paris an einem gut-besetzten Tische? — dann wollen wir den Franzosen den ersten Toastdarbringen. ES wird freilich noch einige Zeit dauern, bis dieses Festgefeiert werden kann, bis die Emancipntivn durchgesetzt sein wird;aber sie wird doch endlich kommen, diese Zeit, wir werden, versöhntund allgleich, um denselben Tisch sitzen; wir sind dann vereinigt, undkämpfen vereinigt gegen andere Weltübel, vielleicht am Ende gar gegenden Tod — dessen ernstes Gleichhcitsshstcn: uns wenigstens nicht sosehr beleidigt, wie die lachende Ungleichheitslehre des AristokratiSmns.

Lächle nicht, später Leser. Jede Zeit glaubt, ihr Kampf sei vorallen der wichtigste, dieses ist der eigentliche Glaube der Zeit, in die-sem lebt sie und stirbt sie, und auch wir wollen leben und sterbenin dieser Freiheitsreligivn, die vielleicht mehr den Namen Religionverdient, als das hohle ausgestorbene Seelengespenst, das wir nochso zu benennen Pflegen — unser heiliger Kampf dünkt uns derwichtigste, wofür jemals auf dieser Erde ist gekämpft worden, ob-gleich historische Ahnung uns sagt, daß einst unsere Enkel auf dicscuKampf herabsehen werden vielleicht mit demselben Glcichgültigkcits-gefühl, womit wir herabsehen ans den Kampf der ersten Menschen,die gegen ebenso gierige Ungetüme, Lindwürmer und Raubriescn, zukämpfen hatten.

Kapitel xxx.

Ans dem Schlnchtfelde von Marcngo kommen einem die Betrach-tungen so scharenweis angeflogen, daß man glauben sollte, es wärendieselben, die dort so mancher plötzlich aufgeben mußte, und die nunwie herrenlose Hunde umherirren. Ich liebe Schlachtfelder, denn sofurchtbar auch der Krieg ist, so bekundet er doch die geistige Größedes Menschen, der seinen: mächtigsten Erbfeind, dem Tode, zu trotzenvermag. Und gar dieses Schlachtfeld, wo die Freiheit auf Blutrosentanzte den üppigen Branttanz! Frankreich war damals Bräutigam,hatte die ganze Welt zur Hochzeit geladen, und, wie es in: Liedc heißt,

Heida! an: PolterabendZerschlug man statt der TöpfeAristokratenköpfe.