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und gebaut haben. Je größer Rom wurde, je mehr erweiterte sichdiese Idee, der Einzelne verlor sich darin, die Großen, die noch her-vorragen, sind nur getragen von dieser Idee, und sie macht die Klein-heit der Kleinen noch bemerkbarer. Die Römer sind deshalb zugleichdie größten Helden und die größten Satiriker gewesen, Helden, wennsie handelten, während sie an Rom dachten, Satiriker, wenn sie anRom dachten, während sie die Handlungen ihrer Genossen beurteilten.Gemessen mit solchem ungeheuren Maßstab der Idee Rom, mußteselbst die größte Persönlichkeit zwerghaft erscheinen und somit derSpottsucht anheimfallen. Tacitus ist der grausamste Meister indieser Satire, eben weil er die Größe Roms und die Kleinheit derMenschen am tiefsten fühlte. Recht in seinem Elemente ist er jedes-mal, wenn er berichten kann, was die malitiöscn Zungen auf demForum über irgend eine imperiale Schandthat räsonniertcn; rechtingrimmig glücklich ist er, wenn er irgend eine senatorische Blamage,etwa eine verfehlte Schmeichelei, zu erzählen hat.
Ich ging noch lange umher spazieren ans den höhereit Bänkendes Amphitheaters, zurücksinnend in die Vergangenheit. Wie alleGebäude im Abendlichte ihren inwohncnden Geist am anschaulichstenoffenbaren, so sprachen auch diese Mauern zu mir in ihrem fragmcntarischen Lapidarstil tiefernste Dinge; sie sprachen von den Männerndes alten Roms, und mir war dabei, als sähe ich sie selber umherwandeln, weiße Schatten unter mir im dunkeln Cirkns. Mir war,als sähe ich die Gracchen, mit ihren begeisterten Mttrtyrerangcn.Tiberius Semprvnius, rief ich hinab, ich werde mit dir stimmen fürdas agrarische Gesetz! Auch Cäsar sah ich, Arm in Arm wandelteer mit Marcus Brutus. — Seid ihr wieder versöhnt? rief ich. Wirglaubten beide recht zu haben, — lachte Cäsar zu mir hinauf — ichwußte nicht, daß es noch einen Römer gab, und hielt mich deshalbfür berechtigt, Rom in die Tasche zu stecken, und weil mein SohnMarcus eben dieser Römer war, so glaubte er sich berechtigt, michdeshalb umzubringen. Hinter diesen beiden schlich Tiberius Nero mitNebelbeincn und unbestimmten Mienen. Auch Weiber sah ich dortwandeln, darunter Agrippina mit ihrem schönen herrschsüchtigen Gcsichte, das wundersam rührend anzusehen war, wie ein altes Marmorbild, in dessen Zügen der Schmerz wie versteinert erscheint. Wen suchstdu, Tochter des Germanicns? Schon hörte ich sie klagen — da erschollplötzlich das dnmpfsinnige Geläute einer Betglvcke und das fatale Gctrvmmel des Zapfenstreichs. Die stolzen römischen Geister verschwan-den, und ich war wieder ganz in der christlich-österreichischen Gegenwart.
Kapitel xxv.
Ans dem Platze La Bra spaziert, sobald es dunkel wird, dieschöne Welt von Verona, oder sitzt dort ans kleinen Stühlchcn vor