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wunderbar unsere Seele. Da stehen hohe Paläste im vcnetianischlombardischcn Stil, mit unzähligen Ballonen und lachenden Fresko-bildern; in der Biitte erhebt sich eine einzelne Denkfaule, ein Spring-brunnen und eine steinerne Heilige; hier schaut man den launigrot- und weißgestreistcn Podesta, der hinter einem mächtigen Pscilcr-thor emporragt; dort wieder erblickt man einen altviereckigen Kirch-turm, woran oben der Zeiger und daS Zifferblatt der Uhr zurHälfte zerstört ist, so daß es aussieht, als wolle die Zeit sich selbervernichten — über dem ganzen Platz liegt derselbe romantischeZauber, der uns so lieblich anweht aus den phantastischen Dichtungendes Ludovico Ariosto oder des Lndovico Ticck,
Nahe bei diesem Platze steht ein Haus, das man wegen einesHutes, der über dem inneren Thor in Stein gemeißelt ist, für denPalast der Capulcts hält. Es ist jetzt eine schmutzige Kneipe fürFuhrleute und Kutscher, und als Herbcrgeschild hängt davor einroter, durchlöcherter Blcchhut, Unfern in einer Kirche zeigt manauch die Kapelle, worin der Sage nach das unglückliche Liebespaargetraut worden, Ei» Dichter besucht gern solche Orte, wenn er auchselbst lächelt über die Leichtgläubigkeit seines Herzens, Ich fand indieser Kapelle ein einsames Frauenzimmer, ein kümmerlich ver-blichenes Wesen, das nach langem Kniecn und Beten seufzend auf-stand, aus kranken, stillen Augen mich befremdet ansah, und endlichwie mit gebrochenen Gliedern fortschwankte.
Auch die Grabmäler der Scaliger*) sind unfern der Piazza belleErbe, Sie sind so wundersam Prächtig wie dieses stolze Geschlechtselbst, und es ist schade, daß sie in einem engen Winkel stehen, wosie sich gleichsam zusammendrängen müssen, um so wenig Raum alsmöglich einzunehmen, und wo auch dem Beschauer nicht viel Platzbleibt, um sie ordentlich zu betrachten. Es ist, als sähen wir hierdie geschichtliche Erscheinung dieses Geschlechtes vergleichnist; diesefüllt ebenfalls nur einen kleinen Winkel in der allgemeinen italieni-schen Geschichte, aber dieser Winkel ist gedrängt voll von Thatcnglanz,Gesinnnngspracht und Übermutsherrlichkeit, Wie in der Geschichte,so sieht man sie auch auf ihren Monumenten, stolze, eiserne Ritterauf eisernen Nossen, vor allen herrlich Can Grande, der Oheim, undMastino, der Neffe,
Knpitcl xxiv.
Über das Amphitheater von Verona haben viele gesprochen; manhat dort Platz genug zu Betrachtungen, und es giebt keine Betrach-tungen, die sich nicht in den Kreis dieses berühmten Bauwerks ein-fangen ließen. Es ist ganz in jenem ernsten thatsttchlichcn Stil
*) Beherrschten Verona von 1260 bis 1337.