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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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34 Reisebilder II.

zum Weibe gemacht, und zwar zu keinem züchtigen Weibe. Daher dasbleichsüchtigc Welken und der zuckende Mißmut des schönen Gesichtes,dessen stolzgeschwungene Formen jedes ahnende Mitleid gleichsam ver-höhnten; daher die verborgene Kümmerlichkeit der Augen, die unterihren schwarzen Triumphbogen so herausfordernd leuchteten; daherder tiefe Schmerzenston, der so unheimlich kontrastierte mit denlachend schönen Lippen, denen er entschlüpfte, daher die Krankhaftig-keit der überzarten Glieder, die ein kurzes, ängstlich violettes Seiden-kleidchen so tief als möglich umflatterte. Dabei flaggten grellbunteAtlasbänder auf dem verjährten Strohhut, und die Brust zierte garsinnbildlich eine offene Rosenknvspe, die mehr gewaltsam aufgerissenals in eigener Entfaltung ans der grünen Hülle hervorgeblüht zusein schien. Indessen, über dein unglücklichen Mädchen, diesem Früh-ling, den der Tod schon verderblich angehaucht, lag eine unbeschreib-liche Anmut, eine Grazie, die sich in jeder Miene, in jeder Bewegung,in jedem Tone kundgab, und selbst dann nicht ganz verleugnete,wenn sie mit vorgeworfenem Leibchen und ironischer Lüsternheit demalten Vater eutgcgentänzelte, der ebenso nnsittsam mit vorgestrecktemBauchgerippe zu ihr heranwackclte. Je frecher sie sich gebürdete, destotieferes Mitleiden flößte sie mir ein, und wenn ihr Gesang dannweich und wunderbar aus ihrer Brust hervvrstieg und gleichsam umVerzeihung bat, dann jauchzten in meiner Brust die kleinen Schlangen,und bissen sich vor Vergnügen in den Schwanz. Auch die Roseschien mich dann wie bittend anzusehen, einmal sah ich sie sogar er-zittern, erbleichen — aber in demselben Augenblicke schlugen dieTriller des Mädchens um so lachender in die Höhe, der Alte meckertenoch verliebter, und das rote Kometgesicht marterte seine Bratscheso grimmig, daß sie die entsetzlich drolligsten Tone von 'sich gab, unddie Zuhörer noch toller jubelten.

Kapitel xix.

Es war ein echt italienisches Musikstück, ans irgend einer belieb-ten Opera Buffa, jener wundersamen Gattung, die dem Humor denfrciesten Spielraum gewährt, und worin er sich all seiner springendenLust, seiner tollen Empfindclci, seiner lachenden Wehmut und seinerlebenssüchtigen Todesbegeisternng überlassen kann. Es war ganzRossinische Weise, wie sie sich im Barbier von Sevilla am lieb-lichsten offenbart.

Die Verächter italienischer Musik, die auch dieser Gattung denStab brechen, werden einst in der Hölle ihrer wohlverdienten Strafenicht entgehen, und sind vielleicht verdammt, die lange Ewigkeit hin-durch nichts anderes zu hören, als Fugen von Sebastian Bach.Leid ist es mir um so manchen meiner Kollegen, z. B. um Rcllstab,der ebenfalls dieser Verdammnis nicht entgehen wird, wenn er sich