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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
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Neisebildcr kl.

überreifen Nacken, worin purpurne Pünktchen, als hätten lüsterneVögel daran gepickt; vor allem aber liebe ich jenen genialen Gang,jene stumme Musik des Leibes, jene Glieder, die sich in den süßestenRhythmen bewegen, iippig, schmiegsam, göttlich liederlich, sterbefaul,dann wieder ätherisch erhaben, und immer hochpoetisch. Ich liebedergleichen, wie ich die Poesie selbst liebe, und diese melodisch be-wegten Gestalten, dieses wunderbare Menschenkonzert, das an mirvorübcrrauschte, fand sein Echo in meinem Herzen, und weckte darindie verwandten Töne,

Es war jetzt nicht mehr die Zanbcrmncht der ersten Überraschung,die Märchenhaftigkeit der wildfremden Erscheinung, es war schon derruhige Geist, der, wie ein wahrer Kritiker ein Gedicht liest, jeneFraucnbilder mit entzückt besonnenem Auge betrachtete. Und beisolcher Betrachtung entdeckt man viel, viel Trübes, den Reichtum derVergangenheit, die Armut der Gegenwart und den zurückgebliebenenStolz, Gern möchten die Töchter Trients sich noch schmücken wiezu den Zeiten des Conciliums, wo die Stadt blühte in Saint undSeide; aber das Concilinm hat wenig ausgerichtet, der Samt ist ab-geschabt, die Seide zerfetzt, und den armen Kindern blieb nichts alskümmerlicher Flitterstaat, den sie in der Woche ängstlich schonen, undwomit sie sich nur des Sonntags putzen. Manche aber entbehrenauch dieser Reste eines verschollenen Luxus, und müssen sich mitallerlei ordinären und wohlfeilen Fabrikaten unseres Zeitalters be-helfen. Da giebt es nun gar rührende Kontraste zwischen Leib undKleid; der feingeschnittene Mund scheint sürstlich gebieten zu dürfen,und wird höhnisch überschattet von einem armseligen Basthut mitzerknitterten Papierblumen, der stolzeste Busen wogt in einer Krausevon plump falschen Garnspitzcn, und die geistreichsten Hüften um-schließt der dümmste Kattun, Wehmut, dein Name ist Kattun, undzwar braungestreifter Kattun! Denn ach! nie hat mich etwas weh-mütiger gestimmt, als der Anblick einer Trienterin, die an Gestaltund Gesichtsfarbe einer marmornen Göttin glich, und ans diesemantik edlen Leib ein Kleid von braungestreiftem Kattun trug, so daßes aussah, als sei die steinerne Niobe plötzlich lustig geworden, undhabe sich maskiert in unsere moderne Kleintracht, und schreite bettcl-stolz und grandios unbeholfen durch die Straßen Trients!

Kapitel x?m.

Als ich nach der Locanda dell'Grnudc Europa zurückkehrte, woich mir ein gutes Pranzo bestellt hatte, war mir wirklich so weh-mütig zu Sinn, daß ich nicht essen konnte, und das will viel sagen.Ich setzte mich vor die Thüre der nachbarlichen Bodega, erfrischtemich mit Sorbet und sprach in mich hinein:

Grillenhaftes Herz! jetzt bist du ja in Italien — warum tirilierst