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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
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Reise von München nach Genna.

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mich; und, wunderlieblicher Anblick! in einem leeren Korbe danebenlag ein bildschöner Knabe, der ein kleines Glöckchen in den Händenhielt, und während jetzt die große Domglocke läutete, zwischen jedemSchlag derselben mit seinem kleinen Glöckchen klingelte, und dabei soweltvergessen selig in den blancn Himmel Hincinlächelte, daß mirselbst wieder die drolligste Kinderlanne im Gemüte aufstieg, und ichmich wie ein Kind vor die lachenden Körbe hinstellte und naschteund mit der Obstfrau diSkurierte,

Wegen meines gebrochenen Jtalienischsprechens hielt sie mich imAnfang für einen Engländer; aber ich gestand ihr, daß ich nur einDeutscher sei. Sie machte sogleich viele geographische, ökonomische,hortologischc, klimatische Fragen über Deutschland, und wunderte sich,als ich ihr ebenfalls gestand, daß bei uns keine Citronen wachsen,daß wir die wenigen Citronen, die wir aus Italien bekommen, sehrpressen müssen, wenn wir Punsch inachen, und daß wir dann ausVerzweiflung desto mehr Rum zugießen. Ach, liebe Frau! sagte ichihr, in unserem Lande ist es sehr frostig und feucht, unser Sommerist nur ein grnuangestrichener Winter, sogar die Sonne muß beiuns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will;bei diesem gelben Flanellsonnenschcin können unsere Früchte nimmer-mehr gedeihen, sie sehen verdrießlich und grün aus und, unter unsgesagt, das einzige reife Obst, das wir haben, sind gebratene Äpfel.Was die Feigen betrifft, so müssen wir sie ebenfalls, wie die Citronenund Orangen, aus fremden Ländern beziehen, und durch das langeReisen werden sie dumm und mehlig; nur die schlechteste Sortekönnen wir frisch aus der ersten Hand bekommen, und diese ist sobitter, daß, wer sie umsonst bekommt, noch obendrein eine Rcal-injurienklagc anstellt. Von den Mandeln haben wir bloß die ge-schwolleneu. Kurz, nies fehlt alles edle Obst, und wir haben nichtsals Stachelbeeren, Birnen, Haselnüsse, Zwetschcn und dergleichen Pöbel.

Kapitel xvii.

Ich freute mich wirklich, schon gleich bei meiner Ankunft inItalien eine gute Bekanntschaft gemacht zu haben, und hätten michnicht wichtige Gefühle nach Süden hingezogen, so wäre ich vorderhandin Trient geblieben, bei der guten Obstfrau, bei den guten Feigenund Mandeln, bei dein kleinen Glöckner und, soll ich die Wahrheitsagen, bei den schönen Mädchen, die rudelweise vorbeiströmtcn. Ichweiß nicht, ob andere Reisende hier das Beiwort „schön" billigenwerden; mir aber gefielen die Trienterinnen ganz ausnehmend gut.Es war just die Sorte, die ich liebe — und ich liebe diese blassen,elegischen Gesichter, wo die großen, schwarzen Augen so liebeskrankherausstrahlcu; ich liebe auch den dunkeln )veint jener stolzen Hälse,die schon Phöbus geliebt und braun geküßt hat; ich liebe sogar jene