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die halb Lamm, halb Rase, nur gedankenlose, Uegetabil animalischeHände haben, sie hatte vielmehr so etwas Geistiges, so etwas ge-schichtlich Reizendes, wie die Hände von schönen Menschen, die sehrgebildet sind oder viel gelitten haben. Diese Hand hatte dabei auchso etwas rührend Unschuldiges, daß es schien, als ob sie nicht mitzu-beichten brauche, und auch nicht hören wolle, was ihre Eigentümerinbeichtete, und gleichsam draußen warte, bis diese fertig sei. DaSdauerte aber lange; die Dame mußte viele Sünden zu erzählen haben.Ich konnte nicht länger warten, meine Seele drückte einen unsicht-baren Abschicdsknß ans die schöne Hand, diese zuckte in demselbenMomente, und zwar so eigentümlich, wie die Hand der toten Mariazu zucken Pflegte, wenn ich sie berührte. 77m Gottes willen, dacht' ich,was thut die tote Maria in Trient? — und ich eilte aus dem Dome.
Kapitel xvi.
NlS ich wieder über den Marktplatz ging, grüßte mich an derEcke die bereits erwähnte Obstfrau recht freundlich und recht zutrau-lich, als wären wir alte Bekannte. Gleichviel, dacht ich, wie maneine Bekanntschaft macht, wenn man nur miteinander bekannt wird.Ein paar an die Ohren geworfene Feigen sind zwar nicht immer diebeste Introduktion; aber ich und die Obstfrau sahen uns jetzt doch sofreundlich an, als hätten wir uns wechselseitig die besten Empfehlungs-schreiben überreicht. Die Frau hatte auch keineswegs ein üblesAussehen. Sie war freilich schon etwas in jenem Alter, Ivo die Zeitunsere Dienstjahre mit fatalen Chevets auf die Stirne anzeichnet,jedoch dafür war sie auch desto korpulenter, und was sie an Jugendeingebüßt, das hatte sie an Gewicht gewonnen. Dazu trug ihr Grficht noch immer die Spuren großer Schönheit, und wie ans altenTöpfen stand darauf geschrieben: „Lieben und geliebt zu werden, istdas größte Glück auf Erden." Was ihr aber den köstlichsten Reizverlieh, das war die Frisur, die gekräuselten Locken, kreideweiß ge-pudert, mit Pomade reichlich gedüngt und idyllisch mit weißenGlockenblumen durchschlungcn. Ich betrachtete diese Frau mit der-selben Aufmerksamkeit, wie irgend ein Antiquar seine ausgegrabenenMarmortorsos betrachtet, ich konnte an jener lebenden Menschenruinenoch viel mehr studieren, ich konnte die Spuren aller CivilisationenItaliens an ihr nachweisen, der etruskischen, römischen, gotischen, lom-bardischen, bis herab ans die gepudert moderne, und recht interessantwar mir das civilisierte Wesen dieser Frau im Kontrast mit Gcwerbund leidenschaftlicher Gewöhnung. Nicht minder interessant warenmir die Gegenstände ihres Gewerbes, die frischen Mandeln, die ichnoch nie in ihrer ursprünglich grünen Schale gesehen, und die duftigfrischen Feigen, die hoch aufgeschüttet lagen, wie bei uns die Birnen.Auch die großen Körbe mit frischen Citronen und Orangen ergötzten