Reise von München nach Genna. 29
nur ans der linken Wange geschminkt war, und daher aussah wie einPfannkuchen, der erst ans einer Seite gebacken ist. Vor mir aber,in der Mitte, stand der uralte Dom, nicht groß, nicht düster, sondernwie ein heiterer Greis, recht bejahrt zutraulich und einladend.
Kapitel xv.
Als ich den grnnscidencn Vorhang, der den Eingang des Domsbedeckte, zurückschob und eintrat in das Gotteshaus, wurde mir Leibund Herz angenehm erfrischt von der lieblichen Luft, die dort wehte,und von dem besänftigend magischen Lichte, das durch die bunt-bemalten Fenster auf die betende Versammlung hcräbfloß. Es warenmeistens Frauenzimmer, in langen Reihen hingestreckt ans den nied-rigen Bethanien. Sie beteten bloß mit leiser Lippenbewcgung, undfächerten sich dabei beständig mit großen grünen Fächern, so daßman nichts hörte, als ein unaufhörlich heimliches Wispern, und nichtssah als Fächerschlag und wehende Schleier. Der knarrende Trittmeiner Stiefeln störte manche schöne Andacht, und große katholischeAugen sahen mich au, halb neugierig, halb liebwillig, und mochtenmir wohl raten, mich ebenfalls hinzustrecken und Secleusicsta zu halten.
Wahrlich, ein solcher Dom mit seinem gedämpften Lichte undseiner lochenden Kühle ist ein angenehmer Aufenthalt, wenn draußengreller Sonnenschein und drückende Hitze. Davon hat man gar keinenBegriff in unserem protestantischen Nvrddcutschlnnd, Ivo die Kirchennicht so komfortabel gebaut sind, und das Licht so frech durch dienubemalten Vernnuftscheibeu hineinschicßt, und selbst die kühlenPredigten vor der Hitze nicht genug schützen. Man mag sagen, wasman will, der Katholizismus ist eine gute Sommerreligion. Es läßtsich gut liegen ans den Bänken dieser alten Dome, man genießt dortdie kühle Andacht, ein heiliges Dvlce far nientc, man betet undträumt und sündigt in Gedanken, die Madonnen nicken so verzeihendans ihren Nischen, weiblich gesinnt verzeihen sie sogar, wenn manihre eigenen holden Züge in die sündigen Gedanken verflochten hat,und zum llbcrflnß steht noch in seder Ecke ein brauner Nolstnhl desGewissens, wo man sich seiner Sünden entledigen kann.
In einem solchen Stuhle saß ein junger Mönch mit ernsterMiene: das Gesicht der Dame, die ihm ihre Sünden beichtete, warmir aber teils durch ihren weißen Schleier, teils durch das seiten-brett des Beichtstuhls verborgen. Doch kam außerhalb desselben eineHand zum Vorschein, die mich gleichsam festhielt. Ich konnte nichtaufhören, diese Hand zu betrachten; das bläuliche Geäder und dervornehme Glanz der weißen Finger war mir so befremdlich wohl-bekannt, und alle Tranmgewnlt meiner Seele, kam in Bewegung, umein Gesicht zu bilden, das zu dieser Hand gehören konnte. Es wareine schöne Hand, und nicht wie man sie bei jungen Mädchen findet,