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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Reise von München nach Genna. 21

beide schwatzten jetzt das gewöhnliche Geschwätz von der großen Berschwörnng gegen Thron und Altar, sie verständigten sich über dieNotwendigkeit strenger Maßregeln, und reichten sich mehrmals dieheiligen Allianzhkndc.

Kapitel x.

Für die Geschichte von Tirol sind die Werke des Joseph von Hor-mayr unentbehrlich; für die neueste Geschichte ist er selbst die beste,oft die einzige Quelle. Er ist für Tirol, was Johannes von Müllerfür die Schweiz ist; eine Parallele dieser beiden Historiker drängtsich nnS von selbst auf. Sie sind gleichsam Wandnachbarn, beidein ihrer Jugend gleich begeistert für ihre Gebnrtsalpen, beide fleißig,forschsam, von historischer Denkweise und Gefühlsrichtung; Johannesvon Müller epischer gestimmt, den Geist wiegend in den Geschichtender Vergangenheit, Joseph von Hormnyr hastiger fühlend, mehr indie Gegenwart hineingelassen, uneigennützig das Leben wagend fürdas, was ihm lieb war.

Barthvldys „Krieg der Tiroler Landlcnte im Jahr 18l)g" istein geistreich und schön geschriebenes Buch, und wenn Mängel darinsind, so entstanden sie notwendigerweise dadurch, weil der Verfasser,wie es edlen Gemütern eigen ist, für die unterdrückte Partei einesichtbare Vorliebe hegte, und weil noch Pulverdampf die Begeben-heiten umhüllte, als er sie beschrieb.

Viele merkwürdige Ereignisse jener Zeit sind gar nicht auf-geschrieben, und leben nur im Gedächtnisse des Volkes, das jetzt nichtgern mehr davon spricht, da die Erinnerung mancher getäuschtenHoffnung dabei auftaucht. Die armen Tiroler haben nämlich auchallerlei Erfahrungen machen müssen, und wenn man sie jetzt fragt,ob sie zum Lohne ihrer Treue alles erlangt, was man ihnen in derNot versprochen, so zucken sie gutmütig die Achsel und sagen naiv:Es war vielleicht so ernst nicht gemeint, und der Kaiser hat viel zudenken, und da geht ihm manches durch den Kopf.

Tröstet euch, arme Schelme! Ihr seid nicht die einzigen, denenetwas versprochen worden. Passiert es doch oft auf großen Sklaven-schiffen, daß man bei großen Stürmen, und wenn das Schiff inGefahr gerät, zu den schwarzen Menschen seine Zuflucht nimmt, dieunten im dunkeln Schiffsraum zusammengestaut liegen. Man brichtdann ihre eisernen Ketten, und verspricht heilig und teuer, ihnen dieFreiheit zu schenken, wenn durch ihre Thätigkeit das Schiff gerettetwerde. Die blöden Schwarzen jubeln nun hinauf ans Tageslicht,Hurra! sie eilen zu den Pumpen, stampfen aus Leibeskräften, hel-fen, wo nur zu helfen ist, klettern, springen, kappen die Masten,winden die Taue, kurz, arbeiten so lange, bis die Gefahr vorüberist. Alsdann werden sie, wie sich von selbst versteht, wieder nach