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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
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Reisebildcr II.

wenn es längst aufgehört hat zu regneu, noch iniincr mit aufgespann-tem Regenschirm umhergehen. Ja, mich dünkt zuweilen, der Teufel,der Adel und die Jesuiten existieren nur so lange, als man an sieglaubt. Vom Teufel köuntcn wir es wohl ganz bestimmt behaupten;denn nur die Gläubigen haben ihn bisher gesehen. Auch in betreffdes Adels werden wir im Laufe einiger Zeit die Erfahrung machen,daß die Uonns socüäts aufhören wird die bonos sooists zu sein,sobald der gute Bürgersmann nicht mehr die Güte hat, sie für diebonns sooists zu halten. Aber die Jesuiten? Wenigstens habensie doch nicht mehr die alten Hosen an! Die alten Jesuiten liegenim Grabe mit ihren alten Hosen, Begierden, Wcltplänen, Ränken,Distinktionen, Reservationen und Giften, und was wir jetzt in neuen,glänzenden Hosen durch die Welt schleichen sehen, ist nicht sowohl ihrGeist, als vielmehr ihr Gespenst, ein albernes, blödsinniges Gespenst,daS uns täglich durch Wort und That zu beweisen sucht, wie weniges furchtbar sei, und wahrlich, es mahnt uns an die Geschichte voneinem ähnlichen Gcspenste im Thüringer Walde, das einst die Leute,so sich vor ihm fürchteten, von ihrer Furcht befreite, indem es voraller Augen seinen Schädel von den Schultern herab nahm, undjedem zeigte, daß er inwendig ganz hohl und leer sei.

Ich kann nicht umhin, nachträglich zu erzählen, daß ich Gelegen-heit fand, den dicken Mann mit den glänzend neuen Hosen genauerzu beobachten, um mich zu überzeugen, daß er kein Jesuit mar, son-dern ein ganz gewöhnliches Vieh Gottes, Ich traf ihn nämlich inder Gaststube meines Wirtshauses, wo er zu Nacht speiste, in Ge-sellschaft eines langen, mageren, Excellcnz genannten Mannes, derjenem alten hagestolzlichen Landjunker, den Shakespeare geschildert,so ähnlich war, daß eS schien, als habe die Natur ei» Plagiat be-gangen, Beide würzten ihr Mahl, indem sie die Aufwärterin mitKaressen bedrängten, die da? liebe, bildschöne Mädchen nicht weniganzuekeln schienen, so daß sie sich mit Gewalt losriß, wenn der einesie hinten klätschelte, oder der andere sie gar zu cmbrnssiercn suchte.Dabei rissen sie ihre rohestcn Zoten, die das Mädchen, wie sie wußten,nicht umhin konnte anzuhören, da sie zur Aufwartung der Gäste,und auch um mir den Tisch zu decken, im Zimmer bleiben mußte.Als jedoch die Ungebühr ganz unleidlich wurde, ließ die junge Personplötzlich alles stehen und liegen, eilte zur Thür hinaus, nud kam erstnach einigen Minuten ins Zimmer zurück, mit einem kleinen Kindeauf dem Arm, das sie die ganze Zeit auf dem Arme behielt, währendsie im Gastzimmer ihre Geschäfte besorgte, obgleich ihr diese dadurchum so beschwerlicher wurde». Die beiden Kumpane aber, der geist-liche und der adlige Herr, wagten keine einzige Belästigung mehrgegen das Mädchen, da? jetzt ohne Unfreundlichkeit, jedoch mit selt-samem Ernst, sie bediente; daS Gespräch nahm eine andere Wendung,