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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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18 Rcisebilder II,

letzteren ganz andere äußere Ursachen erträumen, die aber insofernganz adäquat sind, als sie dasselbe Gefühl hervorbringen. So sindauch in Jmmermanns „Trauerspiel" manche Außcndinge ganz will-kürlich geschaffen, aber der Held selbst, der Gefühlsmittelpunkt, istidentisch geträumt, und wenn diese Tranmgestalt selbst träumerischerscheint, so ist auch dieses der Wahrheit gemäß. Der Baron Hor-mayr, der hierin der kompetenteste Richter sein kann, hat mich, alsich jüngst das Vergnügen hatte, ihn zu sprechen, ans diesen Umstandaufmerksam gemacht. Das mystische Gemütsleben,, die abergläubischeReligiosität, das Epische des Mannes hat Jmmermnnn ganz richtigangedeutet. Er gab ganz treu jene treue Taube, die mit dem blankenSchwert im Schnabel, wie die kriegerische Liebe, über den BergenTirols so heldenmütig umherschwebte, bis die Kugeln von Mantuaihr treues Herz durchbohrten.

Was aber dem Dichter am meisten zur Ehre gereicht, ist dieebenso treue Schilderung des Gegners, aus welchem er keinen wüten-den Geßler gemacht, um seinen Hofer desto mehr zu heben; wie diesereine Taube mit dem Schwerte, so ist jener ein Adler mit dem Ölzweig,

Kapitel ?m.

In der Wirtshausstube des Herrn Niederkirchner zu Innsbruckhängen einträchtig nebeneinander die Bilder des Andreas Hofer,Napoleon Bonaparte und Ludwig von Bayern,

Innsbruck selbst ist eine unwohnliche, blöde Stadt, Vielleichtmag sie im Winter etwas geistiger und behaglicher aussehen, wenndie hohen Berge, wovon sie eingeschlossen, mit Schnee bedeckt sind,und die Lawinen dröhnen und überall das Eis kracht und blitzt.

Ich fand die Häupter jener Berge mit Wolken, wie mit grauenTurbanen, umwickelt. Man sieht dort die Martinswaud, den Schau-platz der lieblichsten Kaisersage; wie denn überhaupt -die Erinnerungan den ritterlichen Max in Tirol noch immer blüht und klingt.

In der Hofkirche stehen die oft besprochenen Standbilder derFürsten und Fürstinnen aus dem Hause Österreich und ihrer Ahnen,worunter mancher gerechnet worden, der gewiß bis auf den heutigenTag nicht begreift, wie er zu dieser Ehre gekommen, Sie stehen ingewaltiger Lebensgröße, aus Eisen gegossen, um das Grabmal desMaximilian, Da aber die Kirche klein und das Dach niedrig ist, sokommt's einem vor, als sähe man schwarze Wachsfiguren in einerMarktbude, Am Fußgestell der meisten liest man auch den Namenderjenigen hohen Personen, die sie vorstellen. Als ich jene Statuenbetrachtete, traten Engländer in die Kirche; ein hagerer Mann mitaufgesperrtem Gesichte, die Daumen eingehakt in die Armöffnungeuder weißen Weste, und im Maul einen ledernen Knicks clss vozm-Asurs; hinter ihm seine lange Lebensgefährtin, eine nicht mehr ganz