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Reiselülder 11.
Und des ist der Dcmagog des neuen Athens? frng spottlächelndder Berliner. Du juter Jvtt, des ist ja ein Landsmann von mich!Ich traue kaum meinen leiblichen Augen — des ist ja derjenige,welcher — nc, des ist die Möglichkeit!
Ja, ihr verblendeten Berliner — sprach ich, nicht ohne Feuer —ihr verkennt eure heimischen Genies, und steinigt eure Propheten.Wir aber können alles gebrauchen!
Und wozu braucht ihr denn diese unglückliche Fliege?
Er ist zu allein zu gebrauchen, wozu Springen, Kriechen, Ge-müt, Fressen, Frömmigkeit, viel Altdeutsch, wenig Latein und garkein Griechisch nötig ist. Er springt wirklich sehr gnt übern Stock;macht auch Tabellen von allen möglichen Sprüngen und Verzeichnissevon allen möglichen Lesarten altdeutscher Gedichte. Dazu repräsen-tiert er die Vaterlandsliebe, ohne im mindesten gefährlich zu sein.Denn man weiß sehr gut, daß er sich von den altdeutschen Dema-gogen, unter welchen er sich mal zufällig befunden, zu rechter Zeitzurückgezogen, als ihre Sache etwas gefährlich wurde, und daher mitden christlichen Gefühlen seines weichen Herzens nicht mehr überein-stimmte. Seitdem aber die Gefahr verschwunden, die Märtyrer fürihre Gesinnung gelitten, fast alle sie von selbst aufgegeben, und sogarunsere feurigsten Barbiere ihre deutschen Röcke ausgezogen, haben, seit-dem hat die^Blütezeit unseres vorsichtigen Vaterlandsrctters erst rechtbegonnen; er allein hat noch das Demagogenkostüm und die dazugehörigen Redensarten beibehalten; er Preist noch innner Arminiasden Cherusker und Frau Thusnelda, als sei er ihr blonder Enkel;er bewahrt noch immer seinen germanisch patriotischen Haß gegenwelsches Bäbeltum, gegen die Erfindung der Seife, gegen Thicrschsheidnisch-griechische Grammatik, gegen Quintilins Varus, gegen Hand-schuh und gegen alle Menschen, die eine anständige Nase haben; —und so steht er da als wandelndes Denkmal einer untergegangenenZeit, und wie der letzte Mohikan ist auch er allein übrig gebliebenvon einer ganzen thatkräftigen Horde, er, der letzte Demagoge. Siesehen also/daß wir im neuen Athen, wo es noch ganz an Demagogen fehlt, diesen Mann brauchen können, wir haben an ihm. einensehr guten Demagogen, der zugleich so zahm ist, daß er jeden Speichcl-napf beleckt, und aus der Hand frißt, Haselnüsse, Kastanien, Käse,Würstchen, kurz alles frißt, was man ihm giebt; und da er jetzteinzig in seiner Art, so haben wir noch den besonderen Vorteil, daßwir späterhin, wenn er krepiert ist, ihn ausstopfen lassen und alsden letzten Demagogen mit Haut und Haar für die Nachwelt auf-bewahren können. Ich bitte Sie jedoch, sagen Sie das nicht demProfessor Lichtenstcin in Berlin, der ließe ihn sonst für das zoo-logische Museum reklamieren, welches Anlaß zu einem Kriege zwi-schen Preußen und Bayern geben könnte, da wir ihn auf keinen Fall