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5 (1898) Memoiren Reisebilder : 1
Entstehung
Seite
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Die Harzreise. 49

Prinzen von Pallagonia enthält keine so große Abgeschmacktheiten,wie dieses Buch, Ivo besonders hervorglänzen die Herren Äcciseeinnehmermit ihren verschimmelten Hochgefühlen, die Cvmptvirjünglinge mitihren pathetischen Seelenergüssen, die altdeutschen Revolutionsdilet-tanten mit ihren Turngemeinpltttzen, die Berliner Schnllehrer mitihren verunglückten Entzückungsphrasen u. s. m. Herr Johannes Hagelwill sich auch mal als Schriftsteller zeigen. Hier wird deS Sonnen-aufgangs majestätische Pracht beschrieben; dort wird geklagt überschlechtes Wetter, über getäuschte Erwartungen, über den Nebel, deralle Aussicht versperrt.Benebelt heraufgekommen und benebelthinuntergegangen!" ist ein stehender Witz, der hier von Hundertennachgerissen wird. Eine Karolina schreibt, daß sie bei der Ersteigungdes Berges nasse Füße bekommen. Ein naives Hannchen hat dieseKlage im Sinne und schreibt lakonisch: Auch ich bin bei der Geschichtenaß geworden. Das ganze Buch riecht nach Käse, Bier und Tabak:man glaubt einen Roman von Clanren zu lesen.

Während ich nun besagtermaßen Kaffee trank und im Brocken-bnch blätterte, trat der Schweizer mit hochroten Wangen herein, undvoller Begeisterung erzählte er von dem erhabenen Anblick, den eroben ans dem Turme genossen, als das reine, ruhige Licht der Sonne,Sinnbild der Wahrheit, mit den nächtlichen Nebelinassen gekämpft,daß es ausgesehen habe wie eine Geisterschlacht, wo zürnende Niesenihre langen Schwerter ausstrecken, geharnischte Ritter ans bäumendenRossen einherjagcn, Streitwagen, flatternde Banner, abenteuerlicheTierbitdungen ans dem wildesten Gewühle hervortanchcn, bis endlichalles in den wahnsinnigsten Verzerrungen zusammcnkränselt, blasserund blasser zerrinnt, und spurlos verschwindet. Diese demagogischeNaturerscheinung hatte ich versäumt, und ich kann, wenn es zurUntersuchung kommt, eidlich versichern, daß ich von nichts weiß, alsvom Geschmack des guten braunen Kaffees. Ach, dieser war sogarschuld, daß ich meine schone Dame vergessen, und jetzt stand sie vorder Thür mit Mutter und Begleiter, im Begriff den Wagen zu be-steigen. Kaum hatte ich noch Zeit, hin zu eilen und ihr zu versichern,daß es kalt sei. Sie schien unwillig, daß ich nicht früher gekommen;doch ich glättete bald die mißmütigen Falten ihrer schönen Stirn,indem ich ihr eine wunderliche Blume schenkte, die ich den Tag vorhermit halsbrechender Gefahr von einer steilen Felsenwand gepflückt hatte.Die Mutter verlangte den Rainen der Blume zu wissen, gleichsamals ob sie es unschicklich fände, daß ihre Tochter eine fremde, un-bekannte Blume vor die Brust stecke denn wirklich, die Blumeerhielt diesen beneidenswerten Platz, was sie sich Mviß gestern aufihrer einsamen Höhe nicht träumen ließ. Der schweigsame Begleiteröffnete jetzt auf einmal den Mund, zählte die Staubfäden der Blumeund sagte ganz trocken: Sie gehört zur achten Klasse.

Heiue's> Werke. V. Bd. 4