Heine und Consortcn. 383
des Elends. Ich habe sie seitdem besser würdigen gelernt, undkönnte stolz darauf sein, daß meine Ahnen dem edlen Hanse Israelangehörten, daß ich ein Abkömmling jener Märtyrer, die der Welteinen Gott und eine Moral gegeben, und ans allen Schlacht-feldern des Gedankens gekämpft und gelitten haben."
„Die Geschichte des Mittelalters und selbst der modernen Zeithat selten in ihre Tagesberichte die Namen solcher Ritter des hei-ligen Geistes eingezeichnet, denn sie fochten gewöhnlich mit ver-schlossenem Visir. Ebensowenig die Thaten der Juden, wie ihreigentliches Wesen sind der Welt bekannt. Man glaubt sie zukennen, weil man ihre Bärte gesehen, aber mehr kam nie von ihnenzum Vorschein, und wie im Mittelalter sind sie auch noch in dermodernen Zeit ein wandelndes Geheimniß."
Der Schluß enthält eine große, aber von Heine nicht ver-standene Wahrheit. Die Juden sind wohl ein wandelndes Ge-heimniß, aber auch ein offenes Zeugniß für's Christenthum.
Selbst diese Bekehrung ist nur gewissen Juden und unge-wissen Christen höchlich zuwider gewesen. Wir wollen nur einpaar Exempel anführen.
Alfred Meißner tröstete sich und seine Genossen, daßHeine, wenn er schon an religiöser Stimmung Behagen undReue über sein vergangenes Leben empfunden, doch diese Stim-mung nie confessionell war (wie schlau!), daß er eigentlichdoch nicht zu den Frommen gehörte, wie es „jene wohlorgaui-sirte Propaganda der Verleumdung erfunden hat". SelbstHeines Reue war dem großen Meißner schon zuwider; ermeint darüber:
„Er weiß wohl, daß er nichts zu bereuen hat, er, der wie einKind sich an allem Schönen erfreute, allen Schmetterlingen nach-lief, die schönsten Blumen am Wege fand, er, dessen ganzes Lebenein schöner Ferientag gewesen."
Wie gut gewählt ist das Wort Ferien tag, es zeigt sorecht, daß man weder Christ noch Jude ist, es ist der Ruhe-stuhl zwischen Christenthum und Judenthum, zwischen Sonntagund Schabbes!! Das Kostbarste, was auch in Frankreich nochnicht dagewesen, ist der Vorwurf von Verleumdung, Jenengemacht, welche da sagen: es empfinde Jemand Reue überein wüstes Leben!
Der Wiener Dichter Bauernfeld, welcher zur Zeit derBekehrungssage noch ganz und gar an der Judenleine mit-gerannt, sich aber fünf Jahre vor seinem 1890 erfolgten Tode