384 Heine und Consortcn.
wieder der Kirche zugewendet und seit damals alljährlich dieSakramente empfangen hat, dichtete damals über Heine:
„Daß der Herr sich Dein erbarme! — Du bist fromm geworden gar; —Wirfst Dich in Jehovas Arme, — Du, der Hegels Schüler war. — —Fromm sein — treffliche Bescherung! — Reue, Buße, inn'res Licht; —
Doch es glaubt an die Bekehrung — Jener alte Zorngott nicht.
Zwischen Rosen mit dem Becher — Lag der Greis Anakreon, — Und dieSeele schwebt dem Zecher — Mit dem letzten Zug davon. - — DeineRosen sind verblichen, — Und ein Zecher warst Du nie; — Armer mit
den Dornenstichen, — Heiland Du der Poesie! Nimmer beugt der
Schmerz Dich nieder, — Noch die Qual der trüben Zeiten; — Gott des
Spottes, Gott der Lieder, — Schlägst Du sterbend in die Saiten.
Gerne tauschten wir Gesunden — Mit dem armen kranken Heine; — Denn
mit allen Schmerzcnswunden — Bist Du noch der Einzig-Eine!
Die Heiligen sind Dir ein Graus — Mit ihren gebändigten Trieben, —
Genir' Dich nicht, sag's nur heraus: — Du bist ein Heide geblieben.
Gern liefst Du ins muntere Haus, — Gern möchtest Du lachen undlieben. — Genir' Dich nicht, sag's nur heraus: — Du bist ein Schalkgeblieben. — — Du gibst uns fetten Gedankenschmaus, — Des WitzesFunken stieben. — Genirt Euch nicht, sagt's nur heraus: — Er ist einDichter geblieben." —
Der Autor dieses erwiderte dem Bauernfeld damals in der„Wiener Kirchenzeitung" wie folgt:
„Genirt Euch nicht, sagt's nur heraus, — Euch ärgert verflucht dieBekehrung, — Das war' auf ein Leben voll Saus und Braus — Eine
schöne, saub're Bescherung! Genirt Euch nicht, sagt's nur heraus: —
Es steht Euch im Herzen geschrieben: — Er sagt: Im Tode sei's nicht
aus, — Er ist kein ganzer Lump geblieben! Genirt Euch nicht,
sagt's nur heraus: — Ihr wollt dem Teufel Euch verschreiben; — DerName Gottes ist Euch ein Graus, — Ihr wollt in Ewigkeit Lumpenbleiben. — — Wenn Einer ein wenig nur Miene macht — Zum Glauben,Hoffen, Bekennen, — Wird er dumm-teuflisch von Euch verlacht, — Weil
Euch die Gewissen brennen! Wir kennen Euern Cultns gar wohl; —
Aus Euern Liedern, die krank und heiser — Und Eure Tempelhallen sind
gar: — Ihr sagt es selbst: die „muntern Häuser". Euch sind
die Heiligen freilich ein Graus — Mit ihren gebändigten Trieben; —Ihr habet Euch saus Zeno im „muntern Haus" — Dem Teufel auf ewigverschrieben!"
156. Das projektirte Wonument. Schl'ujMrachtung.
Wir bringen hier noch ein Urtheil über Heine aus einerin Düsseldorf erschienenen Flugschrift in den Tagen, als essich um ein Monument in der Gebnrtsstadt des Dichters