Druckschrift 
Zwei Buschmänner
(Börne und Heine)
Entstehung
Seite
382
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<582 Heine und Consorten.

Freund, denn Heinrich Heine sagt es Ihnen auf seinem Sterbe-lager, nach jahrelanger reiflicher Ueberlegung, nach Abwägungalles dessen, was von allen Nationen darüber gesagt und ge-schrieben worden ist, bin ich zu der Gewißheit gekommen, daß eseinen Gott gibt, der ein Richter unserer Thaten ist, daß unsereSeele unsterblich ist, und daß es ein Jenseits gibt, wo das Gntebelohnt und das Böse bestraft wird ja, dies sagt IhnenHeinrich Heine, und wenn Sie je Zweifel darüber gehabt haben,so lassen Sie sie schwinden, und sehen Sie hier, wie man bei einemfesten Glanben an Gott selbst die schrecklichsten irdischen Qualenohne Murren ertragen kann: hätte ich diesen Glauben nicht, sowürde ich bei der Gewißheit, daß mein Zustand Hülflos ist, schonlängst diesem elenden Leben ein Ende gemacht haben. Es gibtThoren, die, nachdem sie ein ganzes Menschenleben vom Jrrthnmbefangen waren, und diese irrige Ansicht durch Wort und Thatausgesprochen hatten, nicht mehr den Mnth haben, zu bekennen,daß sie so lange irren konnten, ich aber spreche es offen aus, eswar ein heilloser Jrrthnm, der mich so lange befangen hielt, jetztsehe ich klar, und wer mich kennt, wer mich sieht, wird sagen, daßich nicht gedrückten und befangenen Geistes so spreche, sondern zueiner Zeit, wo meine Verstandeskrttfte nngeschwächt so klar sind,wie je zuvor."

Der Rabbi Philippsvn hat Heines Bekehrung wieder fürdas Judenthum in Beschlag genommen und darüber in seinemsinne berichtet!

Heinrich Heine, der frivole Dichter, der seinen beißendenSpott, seine ätzende Ironie über Alles ausgegossen, ivas irgendeine schwache Seite bietet, der namentlich Juden und Judenthumoft genug zum Gegenstände seiner ausgelassenen Laune gemacht^er hat in seiner neuesten SchriftGeständnisse" Alles revocirt, erist jüdisch-biblisch-glänbig geworden, und zwar in tiefstem Ernste/'Besonders eine für Israel glänzende Stelle hebt das Bolksblattmit großen, gesperrten Lettern hervor:Wie über den Werkmeister,Hab' ich auch über das Werk, die Juden, nie mit hinlänglicherEhrfurcht gesprochen, und zwar wieder meines hellenischen Na-turells wegen, dem der judaische Ascetismus zuwider war. MeineVorliebe für Hellas hat seitdem abgenommen. Ich sehe jetzt, dieGriechen waren nur schöne Jünglinge, die Juden aberwaren immer Männer, gewaltige, unbeugsame Män-ner,** nicht bloß ehemals, sondern bis ans den heutigenTag, trotz achtzehn Jahrhunderten der Verfolgung und

* Wir zweifeln sehr, ob nicht Herr Rabbi Philippsvn selbst etwaslächelte, als er obigen tiefen Ernst niederschrieb.

** Was sich so ein armer Teufel des Handels und Wandels denkenmag, wenn er sich in die Reihe der gewaltigen unbeugsamen Männerhineingeschoben sieht! Und vom gewaltigen Heine noch dazu!