Heine und Consorten. 381
Buches, ach, widert uns an wie die eines langjährigen Kranken-zimmers. Es gibt verschiedene Arten, krank zu sein. „In seinerMatratzengruft zu Paris," von welcher er im Nachwort ergreifendgenug redet, wo er „früh und spät nur Wagengerasscl, Gekeifeund Klaviergeklimper vernimmt," ist auch seine Muse angekränkeltworden von dem lntezischen Gifthauche, und die schalkhafte, muntere,freche Dirne, die bei allen Ungezogenheiten des Cancans, den sietanzte, doch immer die Linie einer gewissen Grazie innehielt, istzu einer alten, häßlichen Krankenwärterin geworden, die freilichnoch eine Menge schöner Märchen zu erzählen weiß, die uns aberfortwährend durch ihre hüstelnde Stimme und ihre hektische Lustig-keit in eine peinliche Stimmung versetzt."
Ferner: Die protestantische „Hannover. Ztg." sagt überHeines Romancero:
„Wo findet man Gott, Christus und Maria, Beschneidung,Taufe und Abendmahl, Tod und Auferstehung und alles Heilige,wo Republik und Monarchie und alle Formen der menschlichenGesellschaft schnöder verspottet, verhöhnt, als in diesem Roman-cero? wo die geheimsten Seiten der menschlichen Natnr so rück-sichtslos aufgedeckt, und wo in so verfluchten Ausdrücken geschimpft,wie hier? Die schrecklichen Leiden seines gefolterten Körpers habenden Dichter seine rauhe Seite hervorkehren lassen, und er, der sichim Nachwort der „angebornen Zähne und Tatzen des Tigers"rühmt, erscheint in dieser Sammlung fast dnrchgehends als einauf den Tod verwundeter borstiger Keiler. Wie schade, daß einsolches poetisches Genie so lästerlich verschlendert ist! Es istsehr zu wünschen, daß dies Buch nur eine möglichst geringe Ver-breitung erlange: für die Jugend zumal möchte ein gefährlicheres
Gift nur sehr schwer zu finden sein Geht man weiter zu
dem letzten Gedichte, „Disputation" überschrieben, der elendenSchilderung eines Kampfes zwischen einem Mönche und einemRabbi (gerade diese Schilderung haben die Judenblätter als eineRoretät und prächtige Meloche ausgegeben), so kommt man zurVermuthung, daß in Heine damals Christenthum und Judenthumden letzten Verzweiflungskampf gekämpft haben. Man möchtemeinen, es sei der Hauptgrund seiner inneren Zerfahrenheit darinzu suchen, daß er Zeit seines Lebens zwischen Christenthum undJudenthum hin und her gewürfelt worden ist."
155. Gerichte nöcr die Wekcljrung Keines, und wie selbst lilier dieseWekcijrnng die Jünger des Dichters erbittert worden sind.
Ein Jahr vor Heines Tode brachte die „Fr. Allg. K.-Ztg."und viele andere Blätter folgenden Bericht über Heines Zustand:
„Ein Freund hat den kranken Dichter besucht. Heine soll sichzu diesem geäußert haben wie folgt: „Glauben Sie es mir, mein